Zum Auftakt der Kasseler Kulturzelt-Saison gastierten fünf Sänger und Band als Urban Mash Up All Stars

Zu Gast in der Welt des Soul

Vielfalt auf der Kulturzelt-Bühne: Flo Mega (links) und May gehörten zu den Urban Mash Up All Stars. Fotos: Fischer

Kassel. Flo Mega kann seinen Glamourfaktor an- und ausknipsen wie einen Lichtschalter. Mal schlurft er mit dem schwarzen Motiv-T-Shirt auf der Bühne herum und trägt eine Fritz-Cola in der Hand, mal hält er sein Handy ans Mikro, um daraus alberne Sounds vorzuspielen. Beim ausverkauften Eröffnungskonzert der Kasseler Kulturzelt-Saison am Freitag bekennt er: „Ich komme gerade aus dem Urlaub in Texel und jetzt bin ich in Kassel – damit muss man erstmal klarkommen.“

Wenn aber dann die fabelhafte siebenköpfige Urban Mash Up Band loslegt und Flo Mega seine hiphoppigen Soulnummern singt, dann legt sich über seine Bremer Schnoddrigkeit eine elegante Umhüllung aus Glamour. Sexy Bläsereinwürfe, ein glitzernder Klangteppich aus der klassischen Soultradition ergänzen seine kreativ getexteten Songs.

Flo Mega animiert das Publikum zum „Yeah“-Singen mit der großen Geste des Zeremonienmeisters – um im nächsten Moment zu simulieren, wie er cool an einer Wand lehnt, um eine Lady zu beeindrucken, dann aber blöd ins Kippeln gerät. Cooler Typ.

Flo Mega übernahm die Gastgeberfunktion beim Auftritt der Urban Mash Up All Stars – fünf Sänger aus Soul, Funk und Singer-Songwriterpop. Und bei ihm, der Rampensau im besten Sinn, sprang der Funke in Richtung Publikum am zuverlässigsten über.

Man wechselte sich ab, jeder bekam zwei, drei Nummern, dann kurzer Bühnenumbau, der Nächste bitte. Erst am Ende stand man miteinander auf der Bühne, brachte musikalische Talente und Stimmfarben zusammen beim Abschluss-Reggae „One World Is Enough For All Of Us“. Von dieser kreativen Kernschmelze hätte man sich mehr gewünscht. Ebenso wie vom Charisma des Gastgebers.

Dabei ist es löblich, die Bühne jungen Talenten, die zum Teil noch ganz am Anfang ihrer Karriere stehen, zu geben. Wie den drei Solistinnen des Abends. Doch Bühnenpräsenz oder ein eigener musikalischer Stil waren noch nicht überall ganz ausgeprägt.

Die Französin Joe Bel kontrastierte einen quirligen Girlielook mit ihrer Amy-Winehouse-artigen Stimme und starkem Songwriting, der Titel „Dig“ mit seinem prägnanten Bassriff steigerte sich in fast ekstatische Wildheit.

Die fragile May aus Belgien bezauberte mit ihrer eleganten Erscheinung, einer ebenso zarten wie klaren Stimme und einem Titel über die Schmerzen der Liebe. Und die gerade volljährige Ami Warning aus München verblüffte mit irrem Songtempo und damit, wie stark sie ihre tiefe Stimme aufrauhen konnte.

Der Brite Omar als fünfter im Bunde ist ein Routinier mit langer Karriere, doch schien er beim Auftritt sehr mit sich selbst beschäftigt. Tüfteligen Soul, zickigen Funk und Latinsounds verbindet er zu glanzvollen Stücken mit einem Tick Exzentrik.

Nächster Termin: Michael Wollny und die hr-Bigband am Mittwoch, 19.30 Uhr, im Kulturzelt an der Drahtbrücke. Karten: Tel. 0561/203204.

Von Bettina Fraschke

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