Spritzig: Wiederaufnahme des Musicals „Sisters’ Action“ im Theater im Centrum

Geballte Nonnen-Power

Ein bestens aufeinander eingespieltes Ensemble: Doreen Lafajette (Katja Brauneis, von links) und die Schwestern Maria Patricia (Inga Jamry), Maria Karolina (Loreen Fajgel), Maria Theresia (Christina van Leyen) und Maria Romana (Kathrin Roppel). Foto: Malmus

Kassel. „Soll das heißen, ich muss die ganze Zeit wie ein Pinguin rumlaufen?“ Barsängerin Doreen Lafajette ist entsetzt. Als Zeugin eines Mordes wird sie von der Polizei an einem geheimen Ort versteckt - in einem Kloster, ausgerechnet. So treffen Paillettenkleid, Federboa und sündiges Großstadtleben auf Nonnentracht und strenge Ordensregeln: eine Konfrontation, aus der das Musical „Sisters’ Action“ im tic gehörig Funken schlägt.

Die Handlung ist durch den Kinohit „Sister Act“ mit Whoopi Goldberg von 1992 altbekannt. Michael Fajgel bleibt in seiner Adaption aber nicht übermäßig am Original kleben, er verdichtet und erfindet manches neu.

Für die überarbeitete Wiederaufnahme des 2005 im tic uraufgeführten Musicals wurde jetzt ein Großteil der Rollen neu besetzt. Katja Brauneis lässt Vergleiche mit Whoopi Goldberg gar nicht erst aufkommen, ihre mal wunderbar rotzige, mal verletzliche Doreen wirkt eher wie eine Mischung aus Trash-Diva Désirée Nick und einer ins Soul-Fach gewechselten, verjüngten Margot Werner.

Vor allem überzeugt der Abend durch ein bestens aufeinander eingespieltes Ensemble. Brauneis hat in Sabine Güth als Mutter Oberin ein würdiges Gegenüber, und die vier musikbegeisterten Nonnen (Christina van Leyen, Kathrin Roppel, Inga Jamry und Loreen Fajgel) sind jede für sich so komisch wie stimmgewaltig. Herrlich zu beobachten, wie sie unter ihrer neuen Chorleiterin Doreen langsam den eigenen Körper entdecken und zu gemeinsamen Choreografien finden.

Das bis ins Detail klar und schön gestaltete Bühnenbild von Oliver Doerr unterstützt sie dabei kongenial. Für Szenen außerhalb des Klosters wird eine kleine Seitenbühne genutzt, von der Michael Fajgel und Herwig Lucas unter anderem eine überkandidelt mafiöse Version von Sinatras „My Way“ zum Besten geben.

Roland Oumards musikalische Bearbeitung mischt Gospels und Soul-Songs des Films („I will follow him“ oder „Rescue me“) mit weiteren Motown-Klassikern und dazu passenden 80er-Jahre-Hits wie „Sisters are doin’ it for themselves“.

Das begeisterte Premierenpublikum dankt mit stehenden Ovationen und lässt die Darstellerinnen erst nach der zweiten Zugabe von der Bühne.

Theater im Centrum, Akazienweg 24, Karten unter 0561/7018722, Mo-Sa 10-13 Uhr.

Von Fabian Fröhlich

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