Kein Aprilscherz: Otto Waalkes war am Freitag zu Gast in der Göttinger Lokhalle

Geboren, um zu blödeln

Singt, hüpft, tanzt: Otto Waalkes in Göttingen. Foto: Strunk

Göttingen. Ein Mann. Eine Bühne. Ein Publikum. Oder besser gesagt: Otto. Seine Bühne. Sein Publikum. Und das möchte das Komiker-Urgestein „unbedingt noch mal live erleben“, raunt man sich im Zuschauerraum vor Showbeginn immer wieder zu. Denn immerhin feiert Otto Waalkes bald seinen 63. Geburtstag.

Die Göttinger Lokhalle ist ausverkauft. Die klassische Brettspiele-Familienzielgruppe im Alter von sechs bis 66 hat sich am 1. April vereint, um ihren Otto zu sehen. Als der dann in Kapuzenpulli und Baseball-Kappe erscheint, gibt es kein Halten mehr. Das Echo auf seinen Willkommens-Jodler ist schon auf der Bühne angekommen, bevor Otto die letzte Silbe gesprochen hat. Das Publikum hellwach, und das für die nächsten zweieinhalb Stunden.

Und der Komiker dankt es ihnen. Immer wieder bezieht er regionale Besonderheiten in das Bühnenprogramm „Otto Live“ mit ein, entledigt sich jeglicher Routine, die man dem Ottifanten-Vater vielleicht unterstellen möchte. Spielt sich mit vollem Körpereinsatz und virtuosen Slapstick-Einlagen durch den Abend, bedient sich der ältesten Witze, wie dem scheinbar zufälligen Griff zur Banane anstatt des Telefonhörers, stolpert, singt, hüpft, tanzt. Holt das Faultier Sid, dem er im Kino-Hit Ice Age die Stimme lieh, und dessen Freund James Bums aus der Puppenkiste.

Otto ist sich für nichts zu schade. Auch für die Großaufnahme nicht, die dem Zuschauer nicht nur seine komische mimische Interpretation von „Mein kleiner grüner Kaktus“ näher bringt, sondern auch Falten und das spärliche graue Resthaar in giftgrünem Scheinwerferlicht offenbart.

Doch damit sind auch schon alle Alterserscheinungen des Friesen aufgezählt, der selbst in seinem Programmheft schreibt: „Man kann eigentlich gar nicht alt genug aussehen, dann wirken die Witze umso jünger.“ Deutlich wird das bei seiner großartigen Parodie der Popmusikerin Lady Gaga, als er mit blonder Perücke über die Bühne wirbelt.

Der Komiker verlässt sich anscheinend zu hundert Prozent auf sein Publikum, vermeintliche Fauxpas baut er in die Show mit ein, lässt den Betrachter nie durchblicken, ob es sich um einen tatsächlichen Fehler oder eine geniale Einlage handelt. Nur einen einzigen Ton muss er anstimmen und geschätzte 5000 Zuschauer nehmen ihm den Rest ab.

Wenn Otto dann mit zwei weißen Fahnen Ortsnamen wie Roringen, Halberstadt oder Klein Lengden pantomimisch darstellt, könnte man das durchaus versaut nennen. Und trotzdem kindgerecht. Vielleicht sogar sarkastisch. Was der Zuschauer in dem Friesenjunge sieht, bleibt stets der eigenen Fantasie überlassen. Sicher ist nur, dass Otto recht hat, wenn er als Unheilig-Graf zum Abschied singt: „Ich bin geboren, um zu blödeln“.

Von Belinda Helm

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