Das Trio Con Brio Copenhagen bot beim Musikfest einen großen Kammermusikabend

Geborgene Juwelen funkeln

Ein beglückendes Zusammenspiel: Soo-Jin Hong (von links, Violine), Jens Elvekjaer (Piano), Tatjana Masurenko (Bratsche) und Soo-Kyung Hong (Violoncello). Foto: Schoelzchen

KASSEL. Con Brio Copenhagen nennt sich das Klaviertrio, das beim Musikfest Kassel seine Visitenkarte in der documenta-Halle abgab. Die koreanischen Schwestern Soo-Jin Hong (Violine) und Soo-Kyung Hong (Violoncello) und der dänische Pianist Jens Elvekjaer erweiterten ihr Trio mit der russischen Bratschistin Tatjana Masurenko zum Quartett und boten den 150 Zuhörern ein Feuerwerk an Spielkunst und Musizierfreude.

Mozart - Ravel - Schumann: Schon diese Stückfolge zeigt die Ambitionen. Es brauchte nur wenige Takte von Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierquartett g-Moll-Quartett KV 478, um zu erkennen, dass etwas Besonderes bevorstand. Oft auf die leichte Schulter genommen, ist Mozart in Kammer- wie in sinfonischen Konzerten nicht selten eine Enttäuschung.

Nicht so hier: Die Balance haltend zwischen klassischer Form und tiefer Empfindung, fanden die vier zu einem für Publikum und sich selbst beglückenden Zusammenspiel. Als Beispiel für das Ganze sei nur das schwebend, zart, fein, mitunter zerbrechlich gestaltete Andante genannt.

Maurice Ravel kommt aus einer anderen Welt. Sein Klaviertrio aus dem Jahr 1914 kondensiert in vier kurzen Sätzen einen Kosmos der Klänge: asiatische Rhythmen, Anklänge an baskische Folklore, strengen Satz in einer Passacaglia. Das Trio Con Brio aus der dänischen Hauptstadt verstand es, hoch konzentriert, doch im sicheren Wissen um die technische Beherrschung, ein Juwel zu bergen und es für das begeisterte Publikum funkeln zu lassen.

Fehlte noch Robert Schumann. Sein Es-Dur-Klavierquartett op. 47 enthält alles, was Romantik ausmacht und in seinem Œuvre fokusartig zusammenkommt. Erneut konnten die drei Damen und ihr Pianist die Stillage wechseln, im Scherzo abrupte Passagen krachen lassen, aber vor allem Innigkeit herausmodellieren wie im schwelgend, aber nie übertrieben angesetzten Andante cantabile. Eine bedeutende Interpretation am Schluss eines großen Kammermusikabends.

Musikfest heute, documenta-Halle: 16 Uhr, Schumanniana - Café-Concert, mit Agnes Mann, Jochem Wolff, Karl Gabriel von Karais und Michael Kravtchin (Klavier). 20 Uhr: Vogler Quartett & Matthias Kirschnereit (Klavier).

Von Johannes Mundry

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.