Lessings „Emilia Galotti“ in Wiesbaden

Gebrochene Rose

Fatale Annäherung: Franziska Werner als Emilia und Jürg Wisbach als Prinz. Foto: Kaufhold

Wiesbaden. Die wie aus Nebel auftauchenden Figuren mit Emilia in blutbeflecktem Hochzeitskleid suggerieren Vergangenes. Das 18. Jahrhundert, in dem Lessings Trauerspiel „Emilia Galotti“ mit dem unheilvollen Ende entstand, ist passé, doch mutige Regisseure versuchen sich immer wieder am Stück. Keiner von ihnen kommt an dem nicht nachvollziehbaren Mord eines liebenden Vaters vorbei, der bürgerliche Unschuld nicht zum Spielball eines dekadenten, gelangweilten Souveräns werden lassen will.

Regisseurin Ricarda Beilharz, Tochter des Intendanten Manfred Beilharz, hat am Wiesbadener Staatstheater Lessings dreieinhalbstündiges Werk auf 100 pausenlose Minuten eingedampft und auf jede Ausstattung verzichtet. Wir sehen ein karges Einheitsbühnenbild mit viel feuchter Erde und blühenden Rabatten, zwischen denen die Figuren kommen und gehen. Alles ist auf das immer bedrohlicher werdende Beziehungsgeflecht um Emilia konzentriert. Der üppige Blumenflor wird am Ende zum Grabschmuck für die „Rose, die gebrochen wurde, ehe der Sturmwind sie entblätterte“.

Franziska Werner ist eine überzeugende Emilia, die mit mädchenhafter Verliebtheit wie in Trance durch den Abend geistert. Jürg Wisbach gibt den bald arrogant-anmaßenden, bald kumpelhaft-vertraulichen Prinzen. Michael von Burg spielt seinen abgefeimten Kammerherrn Marinelli als tückische Kammer-Ratte, die ihren Abscheu gegen die Herrschenden mit jedem Wort zum Ausdruck bringt. Starker Beifall. Wieder am 30.4. und 19.5., Karten: Tel. 0611/ 13 23 25.

Von Britta Steiner-Rinneberg

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