Die Internationalen Maifestspiele in Wiesbaden zeigen „Lolita“ als Oper

Gefährliche Verführung

Kindfrau: Emma Pearson als Lolita. Foto:  Kaufhold

Wiesbaden. Die Internationalen Maifestspiele Wiesbaden zeigen dieses Jahr Rodion Shchedrins Literaturoper „Lolita“, die nach Vladimir Nabokovs in den 50ern erschienenem Liebesroman entstand. Sie zeigt die perverse Passion des Mittvierzigers Humbert Humbert zu einem zwölfjährigem Mädchen, das Begehren in ihm weckt, schamlos ausgenutzt und an den Rand des Abgrunds gebracht wird, wo es zugrunde geht.

Leer gebliebene Plätze nach der Premierenpause verrieten, dass der schockierende Stoff selbst heute, wo das Wort Missbrauch sehr groß geschrieben wird, nicht überall auf Akzeptanz stößt. Dass die deutschsprachige Erstaufführung des 1994 in Stockholm aus der Taufe gehobenen Werks doch mit Riesenbeifall aufgenommen wurde, war der suggestiven und mit starken Kontrasten arbeitenden Musik des russischen Komponisten zu verdanken.

Regie führte Konstanze Lauterbach. Am Pult stand Wolfgang Ott, der das Staatsorchester sicher im Griff hatte und die expressive Musik des Komponisten mit ihrer Klangsinnlichkeit und kammermusikalischen Passagen aufs Feinste gerecht wurde.

Auch in dem sehr weltlichen „Lolita“-Werk gibt Shchedrin mit dem „Sancta Maria“ des Chores seiner Herkunft aus dem Kirchengesang breiten Raum und bewirkt damit einen eindrucksvollen Kontrast zum Geschehen.

Der erste Akt spielt in einem hellen, lichten Raum, in dem die noch kindliche Verführerin spielt und schmollt. Nach der Pause ist die von Andreas Jander geschaffene Bühne von Dunkelheit bestimmt. Die Missbrauchte will fliehen. Sie klagt Humbert an und landet bald ganz unten.

Die australische Sopranistin Emma Pearson gibt mit frischem, hohem Sopran der Kindfrau zunächst anmutig-verspielte Züge, findet jedoch im zweiten Teil zu beklemmendem Ausdruck. Der hervorragend singende Bariton Sebastian Soules ist als Humbert Humbert von Anbeginn der seinen Trieben erliegende, sich seiner Schuld gleichwohl bewusste Verführer.

Wieder am 1., 14. und 23.6., Karten: 0611/ 132325.

Von Britta Steiner-Rinneberg

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