Farbstarke Ausstellung von Katrin Leitner und Walter Peter in der Galerie Coucou

Gefährliches Wunderland

Starke Farben: Walter Peter und Katrin Leitner vor Walter Peters Gemälde „Wunderland“. Foto:  fröhlich

Kassel. In Lewis Carrolls Kinderbuchklassiker „Alice im Wunderland“ empfiehlt eine Wasserpfeife rauchende Raupe der Heldin, von einem Pilz zu essen, um die Wahrnehmung des eigenen Körpers zu verändern: „Die eine Seite macht dich größer, die andere kleiner.“ Doch die Auswirkungen des Pilzgenusses sind unkalkulierbar; nur mit Mühe gelingt es Alice, das rechte Maß zu finden.

So überbordend und latent gefährlich wie Carrolls Wunderland präsentiert sich auch die Ausstellung der Kasseler Künstler Katrin Leitner und Walter Peter in der Galerie Coucou. Kinder können sich im Spiel ihre eigene Realität erschaffen, und nicht selten schauen Erwachsene sehnsuchtsvoll auf diese Art der Welterfahrung, die sie in der Regel hinter sich gelassen haben. „Früher war alles größer“, sagt Walter Peter. Der doppeldeutige Ausstellungstitel „furchtbar:schön“ verweist auf die Ambivalenz, die dieser Sehnsucht innewohnt - und darauf, dass auch eine kindliche Welt keine heile Welt sein muss.

Maßlos in ihrer übersteigerten Farbigkeit und Schärfe wirken Peters Acrylgemälde, die auf am Rechner gebauten Collagen beruhen. Als Vorlage dienen ihm Fotos der beiden gemeinsamen Töchter ebenso wie Motive, die beispielsweise der Musik und Clubkultur entstammen. „Ich versuche Dinge aus meinem wirklichen Leben zu nehmen und sie so zu malen, wie die Kinder sie sehen.“ Größenverhältnisse werden durcheinandergewirbelt, eine Designerlampe erscheint als Qualle, Laserlicht und perlende Schokolade verweben sich zu grell bunten Mustern.

Ein ganzes Herbarium entfaltet Katrin Leitners wandfüllend gehängte „Formwandler“-Serie: giftig rote Pilze in immer neuen Mutationen, zerfallend, modernd, sich zerteilend. In einer Zeichnung im nächsten Raum scheint die Transformation in die nächste Phase überzugehen: Ein Pilz schleudert Sporen, schwarz und infektiös.

Den Abschluss markiert eine Videoarbeit der Künstlerin, in der Mädchen wie in Trance durch regenbogenfarben wabernde Natur streifen, über Kopfhörer begleitet von Leitners hypnotisch geraunten Texten: ein verwunschener Ort, in dem man sich auch als Betrachter und Zuhörer verlieren kann. Ein Wald kann eine Welt sein.

Bis 22. September in der Galerie Coucou, Werner-Hilpert-Straße 8.

www.coucou-coucou.com

Von Fabian Fröhlich

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