Konzertante Aufführung in Kassel

Bellini-Oper "I Capuleti e i Montecchi" gefeiert 

Musik ist die Aktion: (von links) Daniel Holzhauser (Lorenzo), Elizabeth Bailey (Giulietta), Maren Engelhardt (Romeo), Dirigent Francesco Angelico und Musiker des Staatsorchesters.

Kassel. Das Drama von Romeo und Julia als Belcanto-Oper: Jubel  nach der Kasseler Premiere von Bellinis "I Capuleti e i Montecchi" in konzertanter Form. 

Das wird Opernregisseuren nicht gefallen: Es geht auch ohne sie – zumindest in besonderen Fällen. Solch ein Fall hat sich am Sonntag im Kasseler Opernhaus ereignet: bei der konzertanten Aufführung Bellini-Oper „I Capuleti e i Montecchi“. Nur etwa 300 Besucher hatten sich zu der nicht im Opern-Abo enthaltenen Premiere eingefunden, doch diese feierten am Ende das gesamte Ensemble mit anhaltendem Jubel und Standing Ovations.

Vincenzo Bellinis 1830 uraufgeführte Oper feiert nicht so sehr die Liebe zwischen Romeo und Giulietta (Julia), sie zeigt vielmehr auf eindringliche Weise, wie diese Liebe erdrückt und zerstört wird. Durch den Hass der beiden Sippen, Capulet und Montague, die nicht nur selbst verfeindet sind, sondern auch gegnerischen Blöcken angehören, den papsttreuen Guelfen und den kaisertreuen Ghibellinen – Versöhnung ausgeschlossen. Aber auch durch die gesellschaftlichen Zwänge, die es Giulietta hier unmöglich machen, gegen die Familienehre zu verstoßen und mit Romeo zu fliehen.

Schon die Ouvertüre mit Fanfaren, Trommelwirbel und Hörnerklang zeigt an, in welcher Welt wir uns befinden. Kampf ist angesagt. Auf der Kasseler Bühne realisiert sich das ganz einfach. Die Chorherren als Parteigänger der Capulets treten in geschlossener Reihe hinter das Orchester, die Protagonisten positionieren sich – in Kostümen – vor dem Orchester. Es gibt Auftritte und Abgänge, mehr nicht.

Alles Wesentliche geschieht durch die Musik. Und wie! Generalmusikdirektor Francesco Angelico gestaltet sie mit großer Intensität. Er setzt das Staatsorchester quasi unter Hochspannung (mit schönen Soli von Horn, Cello und Klarinette), er lässt es wütend auftrumpfen und spürt in feinen Nuancierungen den Seelenschilderungen der Partitur nach. So verleiht er auch den mitunter schlichten Begleitfiguren atmosphärische Dichte, die die Protagonisten trägt.

Zu Recht gefeiert wurde Elizabeth Bailey als Giulietta. Wie sie das Leid der jungen Geliebten mit hellem Sopran-Timbre in Belcanto-Wohlklang verwandelte – etwa in der berühmten Romanze „Oh! quante volte“ – war berührend und von souveräner Eleganz bar jeder Effekthascherei. Ein idealer Partner war ihr Maren Engelhardt als Romeo. Kraftvoll, intensiv und wandlungsfähig zeigte sich die Mezzosopranistin – eine Riesenpartie. Wunderbar, wie beide in den großen Duetten, besonders im finalen Sterbeduett harmonierten.

Auch Romeos Rivale Tebaldo hätte dank des feinen Schmelzes von Gasttenor Tigran Ohanyan eine Wahl für Giulietta sein können. Das wäre im Sinne ihres Vaters Capellio gewesen, dem Yorck Felix Speer mit heftiger Bassgewalt Profil verlieh. Sehr überzeugend verkörperte Bariton Daniel Holzhauser mit Klarheit und Wärme Giuliettas Arzt und Seelsorger Lorenzo. Ebenfalls eindrucksvoll die mitunter an antike Vorbilder erinnernde Begleitung des Geschehens durch den Opernchor.

Ein Abend, so recht, um Vorurteile gegenüber konzertanter Oper abzubauen.

Weitere Vorstellungen am 20.9 und am 26.10. Karten: Tel. 0561 / 1094-222.

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