Razvan Hamza eindrucksvoller Solist im Kasseler Sinfoniekonzert

Gefühl für Romantik

Applaus für den Solisten: Geiger Razvan Hamza nach seinem Auftritt im Sinfoniekonzert des Staatsorchesters. Foto: Schachtschneider

Kassel. Dafür gab es langen Beifall von Generalmusikdirektor Patrik Ringborg, von den Musikerkollegen und 1440 Konzertbesuchern: Zu Recht gefeiert wurde Razvan Hamza beim Sinfoniekonzert in der Kasseler Stadthalle. Der Geiger, der seit zehn Jahren als Erster Konzertmeister im Staatsorchester Kassel tätig ist, brillierte als Solist in Tschaikowskys Violinkonzert.

Als Tschaikowsky den bekannten Geiger Leopold Auer für die Uraufführung gewinnen wollte, lehnte der das Werk als unviolinistisch und unspielbar ab (um erst später seine Meinung zu ändern). Diese Geschichte zeigt, wie anspruchsvoll der Solopart ist - und wie stark das Spielniveau seit 1880 gestiegen sein muss. Denn heute vermögen nicht nur weltweit gefeierte Starmusiker, das Stück eindrucksvoll zu präsentieren.

Überaus klangschön, mit zu Herzen gehenden Kantilenen und dem richtigen Sinn für die große Linie gestaltete Hamza sein Solo. Das Gefühl für die Romantik stimmte, aber auch die technischen Hürden nahm er souverän und dabei durchaus risikofreudig, wie an den beschleunigten Läufen im Finalsatz zu bemerken.

Umrahmt wurde der starke Auftritt des Konzertmeisters von Beethoven-Werken, die zwei Gesichter des Klassikers zeigten. Beethovens heroischen Idealismus porträtierte die eingangs gespielte „Leonoren“-Ouvertüre Nr. 3 (übrigens ein Ausblick auf die Kasseler „Fidelio“-Premiere am 22. September).

Die humoristische Seite folgte nach der Pause mit der 8. Sinfonie. Wie „verrückt“ diese Sinfonie zu Beethovens Zeiten gewirkt haben mag, zeigt eine damalige Reaktion von Kassels Musikhelden Louis Spohr. Der empfand den im Finalsatz frech hineinfahrenden Ton „cis“ so, als ob jemand mitten im Gespräch die Zunge herausstreckte.

Der Idealismus überzeugte hier mehr als der Humor: Suggestiv formten der (bei Wagner so starke) Stimmungszauberer Ringborg und die Musiker die langsame Einleitung der Ouvertüre, um dann eine plastische Tonmalerei zu liefern, bis hin zu den Fanfaren der Ferntrompete (Max Westermann). Der Sinfonie hingegen fehlte es ein wenig an extravagantem Witz, auch an rhythmischer Kompaktheit. Viel Schlussapplaus, nicht zuletzt für die fein spielenden Holzbläser.

Von Georg Pepl

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