Gefühlswelt zum Ausprobieren

Hersfelder Museum Wortreich zeigt Sonderausstellung „LiebesLeben“

Liebespaare puzzeln: Leonie Jäger (von links), Marcel Schenk, Noura El Saouda, Martin Schade und Teresa Schüler an einer der 20 neuen Mitmachstationen im Wortreich. Foto:  nh

Bad Hersfeld. Vorfahrt für Gefühle: Durch ein beleuchtetes rosa Plüschherz betritt man die Sonderausstellung „LiebesLeben“ im neuen Bad Hersfelder Museum Wortreich. Die spannende Wissens- und Erlebniswelt, die im Herbst eröffnet hat, erweitert hier ihr Spektrum und betrachtet die Liebe in all ihren Zuständen.

Ihr Entstehen, ihre Spielarten, ihr Gelingen und Misslingen, ihr Verlöschen. Vor allem Schüler dürften sich von den 20 neuen Stationen angesprochen fühlen - aber durchaus nicht nur. Wieder gelingt es den Museumsmachern, die Schwelle zum Ausprobieren erfreulich niedrig zu halten - auch die reserviertesten oder nicht technik-affine Besucher bekommen hier Lust, beim Flirtcheck mitzumachen oder aus einer Tafel jene Eigenschaften auszuwählen, die ihnen bei einem potenziellen Partner besonders wichtig sind (einfühlsam, beliebt, belesen, stupsnasig, genau wie ich, ganz anders als ich, vollbärtig oder vollbusig).

An einer Theke kann die Kennenlern-Situation in der Disco simuliert werden, per Ohrhörer bekommen Flirt-Interessierte Tipps fürs gelingende Anbandeln zugeflüstert: „Finde etwas, das ihr gemeinsam habt.“ Und in einem Ergänzungstext an der Wand bekommen wir die Erkenntnis mit, dass weniger entscheidend ist, dass wir vom Verliebtsein Herzklopfen bekommen, sondern wichtiger ist, dass wir uns dann leichter verlieben, wenn wir bereits Herzklopfen haben. Also: Raus auf die Piste, rein in den Club.

Weil man als Verliebter dazu neigt, kleinste Hinweise des Angebeteten als Liebesbotschaften zu deuten, gibt es die besonders originelle Station mit dem QR-Reader. QR-Codes sind diese schwarz-weißen Quadrate, die auf Werbeplakaten zu finden sind und die man mit dem Smartphone ansteuern kann. Hier in der Ausstellung lassen sich Botschaften am Computer schreiben und in so ein Quadrat verschlüsseln. Die Geheimcodes werden dann gedruckt, aufgehängt, und mit einem Lesegerät können die Nachrichten später dechiffriert werden.

Auf einer Bank kann kurz darauf echten Liebesgeschichten gelauscht werden, berühmte Liebespaare von Caesar und Kleopatra bis Helmut und Loki Schmidt, werden gepuzzelt und in einem Zweiertest prüfen Paare, wie stabil die Beziehung ist: „Wer von euch beiden ist chaotischer?“, wird gefragt. Man sitzt sich am Tisch gegenüber, jeder drückt auf den entsprechenden Knopf. Nur bei Übereinstimmung sammelt man Punkte.

Und wenns doch nicht geklappt hat mit den großen Gefühlen? Hübsch ist dafür ein Trauerraum in Telefonzellengröße, bei dem mit Drehreglern Musik, Farbe und Bilder so eingestellt werden können, dass jemand seinen ganzen Liebesfrust loswerden kann.

Mit leicht ratgeberbuchhaftem Duktus („Wir möchten, dass der andere uns wahrnimmt“) wird das wichtigste Gefühl im Leben auf 300 Quadratmetern beleuchtet. Und am Ende hängt tatsächlich ein Himmel voller Geigen.

Von Bettina Fraschke

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