Gefühlte Dreißig: Kabarettist Bernd Gieseking zieht Bilanz eines Mittfünfzigers

Ein Ü-50er zieht Bilanz: Der Kabarettist Bernd Gieseking in der Caricatura. Foto: Zgoll

KASSEL. „Wir sind doch nur normal, und wir haben noch so viel vor uns …“: Fünfzig sein ist nicht schlimm, das können die Ü-50er – und von ihnen waren nicht wenige am Donnerstag in der Caricatura – als gute Botschaft mit nach Hause nehmen.

Der Kabarettist Bernd Gieseking war der Seelenbalsamspender des Abends. Bei der Premiere seines neuen Programms „Gefühlte 30. Ein Hoffnungskabarett für Männer um die 50“ schlug er einen großen, dick biografisch gefärbten und leicht melancholischen Bogen über die erste Lebenshälfte, die nun (mehr als) rum ist, von der Geburt über die wilde Jugend, von der Paarbildung bis in die gesetzteren Jahre, wo schon der Haushalt zum Abenteuer wird.

Vieles erkannten die Besucher kopfnickend wieder, das Bonanzafahrrad, „Bac“, das Aftershave, das Gerede um das erste Mal, die Narbe von der Pockenimpfung („wir tragen das mit Stolz statt eines Tattoos“), die Zeit der Helden und Götter.

Sex, Frauen, der Herzinfarkt, „der kein Beinbruch sein muss“, alles fließt in die Bilanz ein. Sehr wichtig: Der Werkzeugkeller. Mag es in der Wohnung darüber auch noch so unordentlich sein, hier herrscht Ordnung, unautorisierte Entnahmen gelten als Kardinalsünde. Der gereifte Mann muss Prioritäten setzen: „Der Baumarkt ist unsere Kathedrale.“

Bernd Gieseking, für den mit seinen 57 Jahren die runde Fünfzig auch schon Vergangenheit ist, plaudert sich zum Vergnügen des 80-köpfigen Publikums zwei Stunden lang durch den Abend.

Die großen Knaller sind seine Sache nicht, eher erheitert er durch ziselierte Wortspiele, zum Teil mit Spätzünder. Er philosophiert vor sich hin, lässt mehrmals Körper und Seele in einen Dialog treten und kommt ganz ohne politische Anspielungen aus, Kunststück in dieser Zeit. Das Fazit ist positiv: „Es reicht noch für ,Atemlos‘, aber nicht mehr für ,durch die Nacht‘“.

Von Johannes Mundry

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