Gefühlvoll und bissig: Tina Teubner im Theaterstübchen

Ungeheuer vielseitig: Tina Teubner im Theaterstübchen. Foto: Malmus

Kassel. Tusch für Tina Teubner: poetisch, bissig, melancholisch, berührend komisch. Eine Frau im Kampf mit den zerplatzten Träumen ihrer Ehe, im Streit mit Sauberfrauen aus der Politik und im Clinch mit Gesundheitsaposteln und Reformhäusern. Am meisten aber kämpft sie mit sich selbst.

Mit ihrem Programm „Aus dem Tagebuch meines Mannes“ begeisterte die in Witzenhausen geborene und in Köln lebende Kabarettistin am Donnerstag die Besucher im proppenvollen Theaterstübchen. Ein wunderbares Programm. Tina Teubner - eine Komödiantin, die Angela Merkel aus dem Nichts zaubert, eine Romantikerin mit singender Säge und Geige, eine Charakter-Kabarettistin mit Witz und unglaublichem Facettenreichtum. Mal gibt sie das Biest, das seinen Mann „dialektisch bestraft: Ich spreche dann hessisch, das kann er nicht leiden.“ Mal die melancholische Sängerin. Keine Sekunde Leerlauf.

Das Tagebuch ihres Mannes hält sie in der Hand: „Ich sag‘ ja nicht, dass ich es lese, aber ich könnte…!“ Sie kann noch sehr viel mehr. Zum Beispiel herrlich texten: „Es gibt Tage, da kann man nur zur Nordsee gehen und ein Fischbrötchen essen, um das Meer in sich zu fühlen.“ Den Ehemann zum Haushalts-Volltrottel abstempeln: „Wenn er vorm Kühlschrank steht, sag ich ihm: aufmachen. Du musst ihn aufmachen, wenn du etwas zu essen willst.“ Aber sie kann auch gestehen: „Ich liebe ihn“ und auf Kommando die Heulsuse abliefern: „Wenn er mal nicht mehr ist, dann bin ich gaaanz allein im großen Haus.“

Auch singen kann sie: mal boshaft stichelnd über Reformhäuser, aber auch über ihre tiefen Gefühle. Durch das Zusammenspiel mit ihrem Pianisten Ben Süverkrüp gewinnt das Programm zusätzlich. Süverkrüp ist nicht nur der Mann am Klavier, sondern im Programm auch der Prototyp Mann, der sie auf die Palme bringt: distanziert, zynisch, besserwissend.

Das Tagebuch des Gatten hat sie dann doch gelesen und war entsetzt: „Ich steh’ da gar nicht drin!“. Stürmischer Applaus und als Zugabe ein Schlaflied auf der singenden Säge.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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