Ein gefundenes Fressen: „Der kleine Horrorladen“ im tic

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Schrilles Musical: „Der kleine Horrorladen“ mit, von links, dem Kunden (Christian Bulwien), Audrey (Inga Jamry), Seymour (Michael Fajgel), Audrey Zwo (Daniele Nonnis) und Mr. Mushnik (Christoph Steinau).

Kassel. Für Daniele Nonnis ist diese Doppelrolle eine Steilvorlage, um nicht zu sagen ein gefundenes Fressen: Zunächst gibt er den Zahnarzt Dr. Orin, der Karies mit Bohrern aus dem Heimwerker-Sortiment behandelt.

Zwar verfrachtet sich der sadistische Medikus mit Lachgas selbst ins Jenseits, aber es kommt noch dicker. In bizarrem Kostüm aus dem Kellerverlies guckend, rockt Nonnis im zweiten Musicalteil als blutgierige Pflanze Audrey Zwo. Es ist urkomischer Trash.

Freudige Pfiffe und viel Beifall erntete die Premiere des Kultmusicals „Der kleine Horrorladen“ im voll besetzten tic. Die Doppelrolle Orin/Audrey Zwo - eine Abweichung vom Original - ist beileibe nicht die einzige Pointe. Regisseur Patrick Stanke sorgt mit Oliver Doerr (Bühne), David Müller, Michaela Kirschberger (Kostüme), Dagmar Thier (Maske), Loreen Fajgel (Choreografie), Roland Oumard (musikalische Leitung) und dem spielfreudigen Ensemble für ein schrill-pralles Vergnügen.

Groteske mit Hintersinn

Die Handlung des 1982 in New York uraufgeführten Stücks von Howard Ashman und Alan Menken bietet eine Groteske mit Hintersinn: Blumenladen-Besitzer Mr. Mushnik beutet den Gehilfen Seymour aus, der die Angestellte Audrey liebt, die wiederum dem Sado-Zahnarzt Orin verfallen ist.

Der Laden ist pleite, bis eine wundersame Pflanze Kunden, Medien und Geschäftemacher anzieht. Der Haken an dem Grünzeug: Es hat Riesenappetit auf Menschenfleisch. Eine böse Allegorie auf ein mörderisches Wirtschaftssystem?

Michael Fajgel glänzt als tollpatschiger Seymour, Inga Jamry als naiv-fragile Audrey, Christoph Steinau als cholerisch-alter Mushnik (und in einer kleinen Szene als füllige Dame). In mehreren Rollen, etwa als Showmaster Karry Ling (!), tritt Christian Bulwien auf. Stets zur Stelle ist das viel Soul verströmende Trio Kathrin Roppel, Jutta Jelinek und Dorothea Proschko.

Patrick Stankes Inszenierung nutzt die Spielstätte bis in den Zuschauerraum, flicht einige lokale Anspielungen ein und geizt nicht mit Einfällen: Als einmal vom Glück geträumt wird, zücken die Darsteller eine einschlägige Illustrierte. Deutschlands bekanntester Ex-Doktor und Gemahlin lächeln von der Titelseite.

Nächste Termine: 3., 6., 10., 11., 12. März. Theaterkasse: 0561-7018722.

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