Vor 200 Jahren wurde Robert Schumann geboren - Neue Aufnahmen machen mit dem Jubilar vertraut

Geheimnisse eines Romantikers

Am 8. Juni wird der 200. Geburtstag des Komponisten Robert Schumann (1810-1856) gefeiert. Normalerweise sind Jubiläen willkommenene Anlässe, um Komponisten ins Rampenlicht zu rücken, und meist marschiert die Plattenindustrie vornweg. Doch im Falle des vielleicht bedeutendsten deutschen Romantikers spürt man - zumindest bisher - eine gewisse Zurückhaltung bei den Musiklabels.

Immerhin gibt es bereits einige interessante Neuerscheinungen, und weitere sind angekündigt. Für Einsteiger haben sich sowohl die EMI als auch die Deutsche Grammophon etwas ausgedacht.

„Träumerei“ (nach dem Stück aus den „Kinderszenen“) heißt die Best-of-CD der EMI, und sie beschränkt sich auf drei Werke: Die 13 Kinderszenen für Klavier, gespielt von Christian Zacharias, dazu das Klavierkonzert op. 54, ebenfalls mit Zacharias und mit dem WDR-Sinfonieorchester unter Hans Vonk, das auch noch die „Frühlingssinfonie“ spielt. Ein reelles Angebot für ca. 6 Euro, zumal Zacharias durch sein frisches Spiel überzeugt.

Träumerei. Best of Schumann. EMI, Wertung: !!!!:

Die prominenteren Namen, etwa Martha Argerich, James Levine, Fritz Wunderlich und Herbert von Karajan, versammelt der Schumann-Sampler der Deutschen Grammophon (ca. 6 Euro). Doch hier werden aus vielen Werken nur einzelne Sätze geboten - reine Häppchenkultur.

Best of Schumann, Deutsche Grammophon, Wertung: !!:::

Selbst wer sich nicht weiter mit Schumann beschäftigt, wird von seinen Liedern begeistert sein. Die österreichische Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager hat gerade zusammen mit ihrem Klavierpartner Helmut Deutsch eine CD mit 29 Liedern vorgelegt, die einen schönen Einblick in Schumanns Liedschaffen gibt. Den Anfang machen die 8 Lieder „Frauenliebe und -leben“ op. 42 auf Texte von Chamisso. Kirchschlager singt mit dunklem, warmem Ton, eindringlich, doch nie exaltiert. Der Innigkeit von Liedern wie „Die Lotosblume“ op. 25,7 und der drängenden Intensität etwa von „Nur wer die Sehnsucht kennt“ op. 98a,3 kann man sich kaum entziehen.

Angelika Kirchschlager: Schumann. Lieder. Sony Classical, ca. 17 Euro, Wertung: !!!!!

Schumanns Klaviermusik liegt in vielen erstklassigen Einspielungen vor. Einen neuen Akzent setzt die japanische Pianistin Hideyo Harada mit ihrer Schumann-CD (ca. 16 Euro). Zwei der anspruchsvollsten Klavierwerke Schumanns, die große Fantasie C-Dur op. 17 und der Zyklus von Fantasiestücken „Kreisleriana“ op.16, sind hier versammelt, die Arabeske op. 18 ist quasi die Zugabe. Harada spielt mit viel Temperament und Power, hat viele Farben auch in den zarten Passagen. Geheimnisse enthält ihre Interpretation jedoch nicht - alles liegt offen zutage.

Schumann. Harade, Audite, Wertung: !!!::

Anders bei Ragna Schirmer. Die aus Niedersachsen stammende Pianistin hat auf ihrem Doppelalbum (ca. 10 Euro) eine CD Chopins Etüden op. 10 gewidmet, die andere Schumanns Sinfonischen Etüden op. 13. Schon das Thema erscheint in dunklem, verhangenem Ton. Ihr intensives, ausdrucksstarkes Spiel führt auch in traumverlorene Regionen, etwa in der Variation 5 op. posthum.

Ragna Schirmer: Chopin/Schumann - Etüden, Berlin Classics, Wertung: !!!!:

Schumanns Kammermusik ist, anders als die Lieder, Klavier- und Orchesterwerke, nicht sehr bekannt. Abhilfe kann ein Doppelalbum (ca. 35 Euro) schaffen. Das Leipziger Streichquartett spielt die drei Streichquartette op. 41 und, zusammen mit dem Pianisten Christian Zacharias, das Klavierquintett op. 44. Die Quartette klingen sehr romantisch-expressiv, dabei manchmal etwas brüchig. Und Christian Zacharias erweist sich einmal mehr als toller Schumann-Interpret.

Schumann: String- Quartets op. 41, Piano Qintet op. 44, Leipziger Streichquartett, Christian Zacharias, Mdg (CODAEX), Wertung: !!!!:

Und die vier Sinfonien? Während die Deutsche Grammophon alte Aufnahmen mit Rafel Kubelik aufwärmt, riskiert Sony eine Neuaufnahme mit dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra und dem finnischen Dirigenten Sakari Oramo. Die ersten beiden Sinfonien sind erschienen (ca. 18 Euro). Sehr frisch, sehr klar und ausgewogen. Nummer drei und vier folgen in Kürze.

Schumann: Sinfonien 1/2, 3/4, Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Sakari Oramo, Sony Classical, Wertung: !!!!:

Von Werner Fritsch

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