Aus einer fernen Welt: Das Music Ensemble of Benares gastierte im Kulturzentrum Schlachthof

Geheimnisvolles, schönes Indien

Jyotika Dayal Foto: Malmus

Kassel. Wie eine geheimnisvolle Welt in einem Nebel aus Religion, Göttern und Mystik mutet vielen auch im 21. Jahrhundert noch die Kultur Indiens an. Das Music Ensemble of Benares brachte sie am Dienstag 35 Besuchern im Kulturzentrum Schlachthof ein wenig näher.

An Indiens heiligem Fluss, dem Ganges, liegt Benares, ein Zentrum für Musik, Meditation und Tradition. Die Musiker des Ensembles wurden dort geboren. Der Deutsche Günther Paust, schon als junger Mann von Indien fasziniert, gründete vor 30 Jahren die Gruppe. Auf 700 Konzerten spielte er selbst mit. Heute stellt er die Kultur und Instrumente dem Publikum vor. Das Programm verteilte sich auf zwei Schwerpunkte. Im Mittelpunkt des ersten Teils stand die Musik, im zweiten der Tanz.

„Raga“ nennen sich die Musikstücke. Die Intervallbestimmungen beziehen sich nur darauf, was der Gehörsinn als musikalisch stimmig empfindet. Die Musik hält immer an ihrem Grundton fest. Intuitives Empfinden steht im Mittelpunkt. Ragas gibt es für jeden Anlass. „Es gibt Morgen-Ragas, Regen-Ragas, Hochzeit-Ragas, etwa 5000 verschiedene“, erklärte Günther Paust.

Auf dem Streichinstrument Sarangi, gespielt von seiner Ehefrau, Tänzerin und Sängerin Jyotika Dayal, der Tabla, einem Schlaginstrument aus zwei kleinen Pauken, die Ravi Srinivasan kunstvoll zu spielen versteht, und einem indischen Harmonium, das sein Sohn Arum bediente, vertonten die Musiker Raga-Improvisationen. Für westliche Ohren klingen sie ungewohnt. Die Musik scheint stehen zu bleiben. Statt voran geht es in die entspannende meditative Tiefe. Der Gesang erinnert etwas an Schlangenbeschwörung.

Nach der Pause dominierte der nordindische Kathak-Tanz. Der Name bedeutet „Erzählung“. Der Fußarbeit kommt eine Sonderstellung zu. Sie entspricht getanzten Silben. In prächtigen, farbigen Gewändern tanzte Jyotika Dayal kleine Erzählungen: Über eine schüchterne Frau mit Schleier oder „Gott Krischna mit der Flöte“. Zum Abschluss ein ge-sungenes Gebet für „Mutter Erde“ und viel Beifall für diese Berührung mit einer fernen Kultur.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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