Das Uni-Orchester begeisterte mit Brahms und Schostakowitsch im Anthroposophischen Zentrum

In die Gehörgänge gestreichelt

Souveräner Konzertgenuss: Das Orchester der Universität unter Leitung von Malte Steinsiek beim Auftritt im Anthroposophischen Zentrum. Foto:  Malmus

Kassel. Das Uni-Orchester hatte sich ein anspruchsvolles Programm vorgenommen für sein Konzert am Freitag im Anthroposophischen Zentrum. Johannes Brahms’ (1833-1897) Konzert für Klavier und Orchester Nr.1 d-Moll stand auf dem Programm. Und besonders der erste Satz (Maestoso), dieses Labyrinth aus Gefühlen und Kontrasten, aus Charakter- und Dynamikwechseln, verlangt nach einem Pianisten mit ausgezeichneten Fähigkeiten. Hellmuth Vivell stellte sie unter Beweis.

Eindringlich schön

Eigentlich wollte Brahms 1855 eine Sonate für zwei Klaviere konzipieren, arbeitete dann aber den Kopfsatz der Sonate zu einem Klavierkonzert um. Herausgekommen ist ein eindringlich schönes Werk, in dem Klavier und Orchester mal im harmonischen Dialog, mal in spannungsreichen Kontrasten einander gegenüberstehen.

Hellmuth Vivell, der an der Uni Kassel lehrt, und das 65 Musiker starke Orchester zelebrierten die Brahmsschöpfung als ästhetisch-leuchtenden Hörgenuss. Mit einem auf- und abschwellenden Paukenwirbel, dem ein zorniges Streichermotiv folgt, beginnt das Stück, kommt dann zur Ruhe und das Klavier setzt solistisch mit eigenen Gedanken ein. Lautstarker Applaus nach dem dritten Satz (Rondo: allegro non troppo).

Auch der zweite Programmpunkt – Auszüge aus Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) Ballettsuiten Nr. 1, 2 und 3 – begeisterte das Publikum. In der stalinistisch geprägten Sowjetunion hatte es der russische Komponist mit seinen farbenfrohen und lebenslustigen Ballettsuiten schwer.

Mit einem Lyrischen Walzer eröffnete die Ballettsuite Nr.1. Es folgte ein ausgedehntes Adagio aus der Ballettsuite Nr. 2, das mit einem wunderbar melancholisch eingefärbten Cellosolo (Sebastian Schilling) die Gehörgänge streichelte. Ein Scherz-Walzer beschloss die Tanzfolge.

Stürmischer Applaus im fast voll besetzten Saal für das ebenso homogen wie sensibel agierende Orchester unter der bewährten Leitung von Malte Steinsiek.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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