Es geht auch ohne Bier vor vier: Kapielski erhielt Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor

Sie haben vielseitigen Humor: Die Preisträger Jan Neumann (links) und Thomas Kapielski. Foto: Schachtschneider

Kassel. Man hätte denken können, dass Thomas Kapielski ein bisschen enttäuscht war, nachdem er am Samstag den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor entgegengenommen hatte. Der Berliner Schriftsteller gilt auch als „freischaffender Kunsttrinker“, zwischenzeitlich verfolgte er das Motto: „Statt kein Bier vor vier, vier Bier um zwölf.“

Nach der Preisverleihung im Kasseler Rathaus gab es jedoch nur Sekt, Saft und Wasser. Auf die Frage, ob er das Bier nicht vermisse, sagte der 59-Jährige: „Es geht auch ohne“. Das war wiederum ein gutes Motto für die Preisverleihung. Denn beinahe wäre sie ohne Kapielskis Literatur ausgekommen.

Nachdem der Prämierte die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung entgegengenommen und sich ins Goldene Buch der Stadt eingetragen hatte, wollte er statt der geplanten Lesung zunächst einen weiteren Auftritt mit dem Original Oberkreuzberger Nasenflötenorchester hinlegen, dessen Mitglied das Multitalent ist.

Dann aber las er doch noch einige traurig-komische Texte. Sie seien „das Bitterste, das ich jemals geschrieben habe“, sagte Kapielski und bewies damit zugleich, dass er „ein gelehrter Sprachflaneur und Großmeister der Performance“ ist, wie der Rat der Stiftung Brückner-Kühner urteilte. Genauso viel Spaß machten die Auftritte seines Orchesters. Mit der Nasenflöte coverten die elf Musiker Klassiker wie „Helter Skelter“ von den Beatles und „Bohemian Rhapsody“ von Queen und rockten den Stadtverordnetensaal damit auf skurrile Weise. In der Karl-Branner-Seitenhalle ist zudem bis zum 25. März eine Ausstellung mit Lampen-Fotos von Kapielski zu sehen.

Ebenso vielseitig ist Jan Neumann, der den mit 3000 Euro dotierten Förderpreis erhielt. Der 35-Jährige arbeitet als Theaterschauspieler, Regisseur und Autor. Sein Werk, lobte die Dramaturgin Kekke Schmidt vom Staatstheater Stuttgart, sei „eine Fundgrube aller Spielarten des Humors“.

Das bewies der Schriftsteller Harry Rowohlt, als er Neumanns Stück „Knolls Katzen“ vortrug. Man hat selten etwas Lustigeres gehört als die Geschichte des Mannes, der kurz vor Beginn einer Theateraufführung die Nachricht erhält, dass er sich in den letzten vier Wochen um die Katzen seiner urlaubenden Nachbarn hätte kümmern müssen. Wie er mit zahlreichen Anrufen versucht, die Kadaver aus der Wohnung zu bekommen, ist herrlich.

Dass Humor indes Geschmackssache bleibt, zeigte der Performance-Künstler Frieder Butzmann mit seiner musikalischen Laudatio auf Kapielski, bei der eine Kaffeemaschine blubberte. Sein Gesang erinnerte an eine Mischung aus Bully Herbig und den Teletubbies. Die meisten Lacher gab es, als die Sicherung wegen der Kaffeemaschine rausflog und das Mikro verstummte.

Hintergrund

Der mit 10 000 Euro dotierte Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor wird seit 1985 von der Stiftung Brückner-Kühner und der Stadt Kassel an Autoren vergeben, deren Werk auf hohem künstlerischen Niveau von Komik und Groteske geprägt ist. Preisträger waren etwa Loriot, Ernst Jandl, Robert Gernhardt und Max Goldt. Den Förderpreis gibt es seit 2004. Die Preisverleihung ist Teil des bis zum 5. März stattfindenden Komik-Kolloquiums mit vielen Lesungen. Programm unter www.12-stunden-bis-zur-ewigkeit.de

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