Der Kölner Friedemann Weise war ein unbekannter Musiker – bis er einen genialen Obama-Witz zur Abhöraffäre machte

Ein Gag geht um die ganze Welt

Beispiele für den Humor von Friedemann Weise: Barack Obama veräppelte er mit einem Witz zur Abhöraffäre (links). Auch Regierungschefin Angela Merkel und ihr Kanzleramtschef Ronald Pofalla bekamen ihr Fett weg. Fotos: Facebook/Weise

Vielleicht wird man später einmal sagen können: In dem Moment, der das Leben des Kölner Entertainers Friedemann Weise veränderte, saß er vor dem Computer und sah auf „Spiegel Online“ ein Bild von Barack Obama. Es war der 19. Juni, der US-Präsident war zu Besuch in Berlin, gab Jugendlichen die Hand, und alle redeten über den Abhörskandal des amerikanischen Geheimdienstes. Da hatte Weise eine Idee. Er montierte zwei Sprechblasen in das Bild.

Ein Mädchen sagt: „Mein Vater sagt, Sie können in meinen Computer gucken.“ Obama antwortet: „Das ist nicht dein Vater.“ Dann stellte Weise das Bild auf seine Facebook-Seite. Mittlerweile dürfte es so ziemlich jeder gesehen haben, der sich ab und an im Internet bewegt. Allein von Weises Seite wurde es mehr als 9000 Mal geteilt und von 750 000 Leuten angeklickt.

Es gibt den Witz in sechs Sprachen. Die niederländische Tageszeitung „de Volkskrant“ bebilderte einen Artikel zur Abhöraffäre mit Weises Collage. Sogar Chinesen twittern ihn. Das alles hat natürlich auch Weise überrascht, aber dass er einen guten Einfall hatte, wurde ihm schnell klar: „Der Witz bringt ein menschliches Drama in dieses kalte Spionagethema.“

Früher hätte man so einen Gag bei Harald Schmidt gesehen und sich am nächsten Tag mit Kollegen in der Kantine darüber beömmelt. Im Zeitalter des Web 2.0 läuft das anders. Über Facebook und Twitter werden so viele gute Pointen versendet, dass niemand die Zeit haben kann, über alle zu lachen. Weise dachte zunächst auch, er sei zu spät dran. Mit dem Bild postete er den Satz: „Billiger Obamawitz wegen Überangebots günstig abzugeben.“ Eigentlich ist der 39-Jährige Musiker. „Satiropop“ nennt der Gitarrist und Schlagzeuger sein Genre. Auf seinem jüngsten Album „Friede allein zu Haus“ klingt er ein bisschen wie eine Mischung aus den bekannteren Pop-Humoristen Olli Schulz und Peter Licht. Zudem arbeitete er hin und wieder für die „Titanic“.

Das Witze erzählen im Internet sieht er als kostenlose PR. Weise hat überlegt, ob er nicht einen eigenen Blog mit Werbung aufmachen soll wie Stefan Sichermann, der die Satire-Website „Der Postillon“ betreibt und davon leben kann. Aber er sagt: „Ich biete das lieber kostenlos an, bis alle wissen, dass ich gut bin.“

Das ist nicht einfach. In sozialen Netzwerken ist schnell etwas verbreitet, aber den Namen des Urhebers kennen nur die allerwenigsten. Immerhin: Weises Tumblr-Seite mit leeren Getränkeflaschen auf Kästen wurde von der „Süddeutschen Zeitung“ zu einem ihrer Lieblingsblogs gekürt.

Zudem macht der Komiker nun Werbung für die SPD. Vier Spots gibt es schon. Angeblich hat er seine Kampagne allen Parteien angeboten. Die Sozialdemokraten sagten als einzige nicht ab. Jetzt müssen sie mit Weise leben.

www.friedemannweise.de

Von Matthias Lohr

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