Interview: Musiker Chris Norman über gute Songs, sein neues Album und Smokie

Legende: Musiker Chris Norman. Foto:  dpa

Chris Norman, das ist auch 35 Jahre nach „If You Think You Know How To Love Me“ für die Fans immer noch die Stimme von Smokie, Lieferant von Hits wie „Living Next Door To Alice“, „Needles And Pins“, „Lay Back In The Arms Of Someone“, „Mexican Girl“, „I’ll Meet You At Midnight“ und einem Dutzend weiterer Hitparaden-Erfolge in der zweiten Hälfte der 70er-Jahre.

1986 erfolgte die Trennung von Smokie. Seitdem hat Chris Norman unermüdlich weiter produziert, ist dem alten Stil - abgesehen von einem kurzen Intermezzo mit Dieter Bohlen - treu geblieben und kommt jetzt mit einem neuen Album auf Deutschland-Tour. Das heißt „Time Traveller“ und vereint Lieblingssongs von Norman, die andere Komponisten geschrieben haben. Am 1. November tritt er damit in Kassel auf.

Black Sabbath und Fleetwood Mac sind nach gefühlten 100 Jahren der Trennung wieder im Studio und planen für 2012 sogar Konzerte. Die Zeit scheint die Wunden geheilt zu haben. Wann gibt es die von vielen herbeigesehnte Wiedervereinigung von Smokie?

Chris Norman: Eine solche Reunion funktioniert nur, wenn alle Beteiligten den Willen dazu haben. Den sehe ich bei Smokie nicht. Es würde nur Ärger geben.

Auf Ihrem aktuellen Album spielen Sie einige ihrer Lieblingslieder anderer Komponisten. Bei Anderen sind das oft ein paar Hits aus den 60er- und 70er-Jahren. Sie überraschen mit Coverversionen von Green Day („When September Ends“), Snow Patrol („Chasing Cars“) und einer Hardcore-Version von „Morning Dew“ (Tim Rose), das selten energischer klang.

Norman: Natürlich hätte ich einen Song von den Beatles covern können, aber warum? Die Songs sind so perfekt. Aber in „Morning Dew“, ein Antikriegslied, konnte ich all meinen Zorn auf die Kriegsherren dieser Welt und meine Bestürzung über das Leid, das sie anrichten, reinpacken.

Was führte zur Wahl von „Chasing Cars“?

Norman: Snow Patrol sind tolle Songschreiber, „Chasing Cars“ ist für mich einer der schönsten Songs der letzten Jahre.

Was macht einen solchen Song aus?

Norman: Dass er immer funktioniert, am Klavier wie an der Gitarre, in der Akustik- wie in der Rock-Besetzung, mit Streicherbegleitung, A-cappella. Und auch zu jeder Zeit. Wenn es „Moonlight Shadow“ von Mike Oldfield bisher nicht gegeben hätte sondern heute veröffentlicht würde - der Erfolg wäre der gleiche wie vor 28 Jahren. Und so wäre es mit den meisten Songs von John Fogerty, Neil Diamond, Cat Stevens und, und, und …

… und natürlich den Hits von Smokie. Wie fühlt es sich an, immer noch „I’ll Meet You At Midnight“ oder „Don’t Play Your Rock’n’ Roll To Me“ zu singen? Segen oder Fluch?

Norman: Ich bin unendlich dankbar auf ein solch großes Oeuvre zurück greifen zu können. Ich werde nie vergessen, dass es auch eine Zeit gab, da hatten wir mit Smokie noch keine Hits. Mir wird es auch nie langweilig, die Hits zu singen, denn meine Konzerte sind immer eine Mixtur aus alten Hits, neuen Songs und - was ich besonders mag - etwas unbekannteren Stücken von den Alben, die meiner Ansicht nach etwas mehr Aufmerksamkeit verdienen, die aber leider im Schatten der Hits standen.

Was würden Sie jungen Musikern raten, die zu Ihnen kommen und sagen: Wir mögen ihren Akustik-Stil und den mehrstimmigen Harmoniegesang und möchten in dieser Richtung eine Band gründen?

Norman: Geht raus und spielt, findet Euren Stil und denkt nicht darüber nach, ob das zum Zeitgeist passt oder nicht. Glaubt nicht daran, dass man über Nacht berühmt wird. Dies sind Märchen, die Euch Casting-Shows erzählen wollen.

Wie lange hat es bei Ihnen gedauert, bis sich erste Erfolge einstellten?

Norman: Die Band wurde 1965 gegründet. Wir spielten zunächst Skiffle-Musik wie unser großes Vorbild Lonnie Donnegan. 1968 gaben wir alle Jobs auf und konzentrierten uns nur noch auf die Band. Erst 1975 kam der erste Hit.

Neues Album: Chris Norman: Time Traveller (Sony); Wertung: !!!!:

Konzert: Chris Norman: 1. November, Musiktheater, Angersbachstraße 10-12, Kassel. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Von Wilhelm Ditzel

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