Violinstar David Garrett brachte die Kasseler Eissporthalle zum Kochen

Geiger gegen Rockstar

Immer lächelnd: Stargeiger David Garrett in der Kasseler Eissporthalle. Foto: Fischer

Kassel. In „Navarra“, einem Stück des Spaniers Pablo de Sarasate, verdoppelt sich der Geiger David Garrett. Die zwei Solostimmen des Originals lässt Garrett in seinem Arrangement in eine zusammenfließen. Doch auf der Großleinwand ist der Geiger im Duett mit sich selbst zu sehen.

Beim Tourneeauftritt „Classic Romance“ standen aber nicht nur bei diesem Stück virtuell zwei Garretts auf der Bühne. Tatsächlich erlebten 4500 Besuchern in der ausverkauften Kasseler Eissporthalle den Geiger David Garrett und einen Rockstar gleichen Namens. Um es vorweg zu nehmen: Als Geiger ist Garrett besser, als Rockstar bekommt er aber den größeren Beifall.

Ein großer Auftritt ist ihm sicher, als er mit dem Led-Zeppelin-Titel „Kashmir“ geigend von hinten durch die Zuschauerreihen zur Bühne schlendert. Dort erwarten ihn die vierköpfige Band und vierzig Orchestermusiker - immerhin die Weimarer Staatskapelle.

Den Titel „sexiest violinist“ hat er da - tief hängende Jeans, kecker Hut - schon sicher. Doch dass er auch viele seiner „seriösen“ Geigenkollegen an die Wand spielen kann, beweist Garrett dann - sich wirklich verausgabend - in seinem dreistündigen Programm.

Los geht’s mit arrangierten Klassikhits wie Brahms’ Ungarischem Tanz Nr. 5. Hier ist Garrett in seinem Element. Wirklich erstaunlich, was der Geiger technisch drauf hat. Immer wieder streut der sanfte Blonde virtuose Nummern zum Staunen ein: Vittorio Montis berühmten „Csárdás“ und toll rockig arrangierte Titel wie das „Sommer“-Finale aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ oder „In der Halle des Bergkönigs“ aus Griegs „Peer Gynt“. Natürlich darf auch der berühmte Sirtaki aus dem Film „Alexis Sorbas“ nicht fehlen.

Garrett beweist, dass er den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde als schnellster Geiger redlich verdient hat. Seine unglaubliche Finger- und Bogentechnik, dazu sein superpräzises Spiel können begeistern.

Und dass er auch die gefühlvolle Seite der Musik beherrscht, zeigt er in wunderbar gestalteten Balladenstücken wie Rachmaninoffs „Vocalise“ oder Schuberts „Serenade“, eine vereinfachte Bearbeitung des „Ständchens“.

Perfekt funktioniert Garretts Prinzip der verpoppten Musik auch bei Filmmusiktiteln wie „Fluch der Karibik“ und der James-Bond-Melodie aus „Leben und sterben lassen.“ Hier kam der volle Klang des Sinfonieorchesters zum Tragen, auch wenn der Soundmix die engagierten Bemühungen der Staatskapelle sonst nur unzureichend herausstellte.

Das Problem bei allem ist, dass der Sonny-Boy mit der leicht verkorksten Jugend - zwischendurch erzählte Garrett ausführlich von seiner überbehüteten Kindheit - in erster Linie Rockstar sein will. Doch bei Rockhits wie „Thunderstruck“ von AC/DC oder dem Metallica-Titel „Masters of Puppets“ erlebt man die Geige meist nur als kratzendes Beiwerk. Diese Musik klingt original einfach besser.

Egal: Die Halle tobte, die Fotohandy-Displays leuchteten - und nach dem rekordschnellen „Hummelflug“ ging der Abend mit der dritten Zugabe „Hey Jude“ zu Ende.

Von Werner Fritsch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.