Geigerin Tianwa Yang und Pianist Nicholas Rimmer bei Kasseler Musiktagen gefeiert

Grandioser Duo-Abend: Tianwa Yang (Violine) und Nicholas Rimmer (Klavier) bei den Kasseler Musiktagen. Foto: Zgoll

Kassel. Das Duo Violine-Klavier stand an fünf Abenden im Mittelpunkt der Kasseler Musiktage. Der Konzertabend mit der Geigerin Tianwa Yang (27) und dem Pianisten Nicholas Rimmer (33) war Abschluss und Höhepunkt dieser Reihe zugleich.

Nicht nur wegen des überragend konzipierten Programms, das einen weiten Bogen von Sonaten Mozarts bis zu Werken des Zeitgenossen Wolfgang Rihm (62) spannte und dann auch noch mit Brahms ins Zentrum der Romantik zielte. Sondern auch, weil die 250 Zuhörer im ausverkauften Kasseler Ständesaal das Beste hörten, was Geigenkunst heute bieten kann.

Die kluge Programm-Regie der in Kassel lebenden Spitzengeigerin Tianwa Yang und ihres Klavierpartners Nicholas Rimmer brachte es mit sich, dass man dieses Konzert als einzige Steigerung erleben konnte. In fahlem Ton lässt Mozart seine e-Moll-Sonate KV 304 beginnen, um dem anfänglichen Dreiklangthema dann ein rhythmisch prägnantes Motiv entgegenzusetzen, das sich durch den Satz zieht.

Durch heftigen Kontrast zwischen dem fast tonlosen Beginn und dem brüsk gespielten zweiten Motiv setzten Tianwa Yang und ihr Klavierpartner den Saal vom ersten Moment an unter Spannung. Rhythmisch äußerst pointiert und klar, mit unglaublich flexibler Tongestaltung wurde dieses Mozartwerk ins 21. Jahrhundert geholt - um sich mit einem extremen Stück Wolfgang Rihms von 1993, „Antlitz“, zu messen.

Zunächst sind es knappe Tonfolgen, die sanft schimmernd im Raum stehen, dann aber jäh von messerscharfen Klängen durchschnitten werden. In der gespannt-konzentrierten und klanglich intensiven Darbietung vermittelte sich Rihms Prinzip, dass der emotionale Hochdruck des Stücks sich nur punktuell an der Oberfläche zeigen darf.

Noch einmal wiederholte sich die Folge Mozart - Rihm. Zuerst mit der in jeder Phrase wunderbar belebten B-Dur-Sonate KV 454, dann mit Rihms „Phantom und Eskapade“ (1994), extremer Ausdrucksmusik, bei der Tianwa Yang quasi nebenbei demonstrierte, dass sie technische Hürden beim Violinspiel nicht kennt.

Wie frisch und emotional berührend die romantische A-Dur-Violinsonate op. 100 von Johannes Brahms klingen kann, wenn sie mit großer Wachheit und Intensität, aber ohne falschen sentimentalen Nachdruck gespielt wird, führten Tianwa Yang und Nicholas Rimmer zum Schluss dieses mit großer Begeisterung aufgenommenen Konzerts vor. Beispielhaft dafür das extrem dicht, aber pathosfrei gespielte tiefe Violinthema im Finalsatz.

Mit zwei Zugaben, je einem Scherzo-Satz von Brahms und Beethoven, ging das außergewöhnliche Konzert zu Ende – und die von den Musiktagen ermöglichte tolle Begegnung mit intimer Geigenkunst.

Von Werner Fritsch

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