Radio-Legende Martin Hecht hat ein Buch über Pop-Hits geschrieben, sein Leben liest sich wie ein Roman

Die geile Stimme begann bei Atze

Seit mehr als vier Jahrzehnten im Radiogeschäft: Bei Radio HNA stellte Martin Hecht sein Buch „Jukebox Heroes“ Moderatorin Antonia Woitschefski vor. Foto: Lohr

Ohne seinen Namensvetter hätte der Radio-Moderator Martin Hecht niemals ein Buch geschrieben. Es gibt nämlich nicht nur den Martin Hecht, der mit seiner unverwechselbaren Stimme und Sendungen wie der „Mittags-Discotheke“ auf HR 3 Radio-Geschichte geschrieben hat. Es gibt auch einen Schriftsteller gleichen Namens.

Immer wieder bekam der Radio-Hecht Post von Verlagen, die wissen wollten, ob der Autoren-Hecht nicht ein Buch bei ihnen publizieren wolle. Irgendwann schrieb ihm Dieter Kindel vom Felsberger Region-Verlag. Hecht antwortete, er sei nicht der Hecht, den er suche, aber Kindel ließ sich nicht beirren: Er wollte ein Buch mit der Radio-Legende machen.

So ist nun „Jukebox Heroes“ erschienen, wo Hecht die Geschichten der Welthits erzählt, die er sonst im Radio ankündigt – früher auf HR 3 und nun jeden Samstag von 9 bis 13 Uhr beim FFH-Ableger Harmony FM. Hecht berichtet etwa, wie er Bruce Springsteen bei dessen erstem Europa-Konzert in London kennenlernt. Der Star hatte keine Lust auf die Pressekonferenz, dafür quatschte er eine Stunde lang allein mit Hecht auf einer abgelegenen Treppe. Das Buch mit Anekdoten von Ace of Base über Queen bis zu Whitney Houston ist nicht ganz uneitel, aber Hecht kann sich die Eitelkeit leisten.

„Flotte Autos, schnieke Klamotten, geile Stimme und Frauen-Typ“, so beschreibt FFH-Geschäftsführer Hans-Dieter Hillmoth seinen Star-Moderator, den er 1991 nach 17 Jahren beim Hessischen Rundfunk zum Bad Vilbeler Privatsender holte. Eine geile Stimme hatte der aus Niederbeisheim im Knüllwald stammende Hecht schon in den 60ern, als er in der Melsunger Diskothek „Bei Atze“ Platten auflegte und eine romanreife Karriere begann.

Zwischen den Songs redete er ausschließlich Englisch, was er auch deshalb so gut konnte, weil er von morgens bis abends den US-Soldatensender AFN hörte. Nach einer Ausbildung zum Exportkaufmann beim Medizinunternehmen B. Braun ging er nach Südafrika, wo er zufällig zum Radio kam und anschließend beim HR anfing.

Dort wurde er z Kult. Und auch heute macht ihm keiner etwas vor. Hecht kennt die Sprüche wie: „Früher hatten die Moderatoren Format, heute gibt es Formatradio.“ Wenn er vor 20 Jahren am Montag Billy Joel spielte, konnte er das damals erst wieder am Mittwoch. Heute, wo Radio ein Begleitmedium ist und eine Klangfarbe haben muss, gibt es Billy Joel nach vier Stunden erneut.

Wenn er sich seine alten Sendungen anhört, schüttelt er manchmal mit dem Kopf. Eines ist aber gleich geblieben. Jungen Kollegen, die sich fragen, wie sie die Hörer da draußen am besten erreichen können, rät Hecht, sich ein Bild ihrer Liebsten hinters Mikro zu stellen. „Du musst dir vorstellen, nur für sie zu reden.“

Martin Hecht: Jukebox Heroes. Pop-Stories zu Welthits. Region-Verlag, 194 Seiten, 12,40 Euro. Wertung: !!!::

Von Matthias Lohr

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