„Die geilste Band der Welt“: Deine Freunde im Kulturzelt Kassel

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Mit dem Bouncen kann man gar nicht früh genug anfangen: Zum KidHop von Deine Freunde mit (von links) Lukas Nimscheck, DJ Markus Pauli und Florian Sump wippten die jungen Kulturzelt-Besucher mit den Armen im Takt.

Kassel. Bei Deine Freunde trifft Rolf Zuckowski auf Deichkind: Mit HipHop für Kinder hat sich das Hamburger Trio eine stattliche Fan-Gemeinde erspielt.

Im Kasseler Kulturzelt hatten nicht nur Kids Spaß.

Mit Leuten, die im Internet Shitstorms gegen die Band Deine Freunde lostreten, kennen Kinder kein Erbarmen. Als das Hamburger HipHop-Trio im Kasseler Kulturzelt Hater-Kommentare von seiner Youtube-Seite zitiert, erntet die Userin „Paulinexdxdxd“ ein lautes „Buh“. Sie hatte geschrieben: „Das sind doch nur drei Eltern, die cool sein wollen.“

Lukas Nimscheck, Florian Sump und DJ Markus Pauli waren schon cool, bevor sie mit Deine Freunde ein neues Genre erfanden. Der ehemalige Moderator des ARD-„Tigerenten-Clubs“, der Ex-Schlagzeuger der Teenie-Band Echt und der Tour-DJ von Fettes Brot machen unpeinliche Kinder-Musik, zu denen auch die Eltern unter den 400 Besuchern mit den Armen bouncen.

Die Mädchen und Jungen, für die vorn ein Hier-dürft-ihr-Ausflippen-Bereich eingerichtet wurde, bestaunen den KidHop anfangs noch mit offenen Mündern. Doch nachher sagt nicht nur unsere zehnjährige Tochter, die sonst auf die Sportfreunde Stiller steht: „Deine Freunde sind die geilste Band der Welt.“ Da hörst du es, „Paulinexdxdxd“.

Man muss sich Deine Freunde wie eine Mischung aus Rolf Zuckowski, bei dessen Plattenfirma ihre Musik erscheint, und den Electro-HipHoppern von Deichkind vorstellen. Zu eingängigen Pop-Melodien mischt Pauli schon mal raue Samples wie einen Loop der New Yorker Rapperin Azealia Banks. Sogar Funk gibt es. Und wenn alle kleinen Fans zu „Häschen hüpf“ bis zur Decke springen, fühlt man sich weniger an einen Kindergeburtstag erinnert, sondern an „Jump Around“ von House of Pain.

Das Beste an Deine Freunde ist, dass sie auf den mahnenden Zeigefinger verzichten. „Die besten, gemeinsten Eltern der Welt“ handelt davon, dass Mama und Papa cool sind, aber manchmal eben auch tierisch nerven. Über Hausaufgaben, auf die man keinen Bock hat, heißt es: „Schieb sie noch ein bisschen weg. Später hast du leider Pech, dann kommen sie zu dir zurück.“

Zwischendurch gibt es lustige Spielchen: Beim Wettkampf, wer am lautesten ist, verlieren Deine Freunde mit 85,7 zu 97,9 Dezibel gegen die kleinen Schreihälse. Und bei der nach 75 Minuten umjubelten Zugabe lassen die Musiker die Kinder bei der Pogo-Spielart „Wall of Death“ sogar so wild aufeinander zurasen, als sei das hier ein Hardcore-Konzert.

Vielleicht haben Deine Freunde die besten Fans der Welt. Wobei: Zwei etwa zwölfjährige Mädchen rocken nicht ab, sondern filmen praktisch das gesamte Konzert mit ihren Smartphones, wie sie es vermutlich von ihren Eltern gelernt haben. Kinder sind halt auch nur Menschen.

Kulturzelt am Mittwoch, 19.30 Uhr: Thees Uhlmann.

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