Bildband erinnert an den Kasseler Fotografen Günther Becker - Ausstellung im Stadtmuseum verlängert

Der Geist einer neuen Zeit

Neuanfang in neuen Häusern: Eine Fotografie Günther Beckers von der Auefeld-Siedlung. Foto: nh

Kassel. Als die Mitglieder des Kasseler Fotoforums - die das Günther-Becker-Buch „Das neue Kassel“ herausgegeben haben - den druckfrischen Bildband in den Händen hielten, waren sie entsetzt. Wegen eines technischen Fehlers ließ die Qualität der 50er-Jahre-Aufnahmen zu wünschen übrig - die meisten Fotos waren viel zu dunkel.

Inzwischen ist das Malheur behoben: Der Nachdruck ist da. Wer ein Exemplar der ersten Auflage erworben hat, kann es bis zum 14. Februar beim Verlag Winfried Jenior, Lassallestr. 15, oder im Stadtmuseum kostenlos umtauschen.

Dort ist die beeindruckende Günther-Becker-Ausstellung (wie die über den Architekten Paul Bode) verlängert worden - bis zur sanierungsbedingten Schließung des Hauses am 14. Februar. Die Schau ist unbedingt sehenswert.

Günther Becker (1920-2003) war ein Chronist des Kasseler Wiederaufbaus. Seine Bilder dokumentieren, wie es Alexander Link in seinem Aufsatz im Fotoband formuliert, mehr als Architektur oder Stadtplanung: „Sie stehen für ein neues Selbstverständnis und ein neues Lebensgefühl einer Generation, die einen Schlussstrich unter die Vergangenheit und den Aufbruch in eine neue Zeit wollte.“

Link zitiert den Publizisten Walter Dirks. 1946 schrieb er über die Zerstörung des Frankfurter Goethehauses: „Es war kein Versehen, keine Panne der Geschichte, sondern es hat seine Richtigkeit mit diesem Untergang. Deshalb soll man ihn anerkennen.“ Becker illustrierte dieses Bekenntnis zur Zukunft, zum Bruch mit der unseligen Vergangenheit, zum Neuaufbau nach den Nazi-Verbrechen.

Im Empfinden der Modernität, das uns heute fremd geworden ist, spielte das Auto eine große Rolle, als Symbol der Freiheit und Urbanität. Verkehr „durchpulst“ die Stadt „wie ein Blutstrom die Adern“, hieß es in einem Kassel-Werbefilm von 1955. Immer wieder rückte Becker Autos ins Bild, er fotografierte Parkhäuser, die „schönen breiten Straßen“, die Brücken und Kreuzungen - wie den Altmarkt, der als modernster Knotenpunkt Europas galt. Harald Kimpel schreibt darüber. Weitere Beiträge stammen von Thomas Wiegand, Bettina von Andrian, Gerd Fenner und Folckert Lüken-Isberner.

Das neue Kassel. Fotografien des Wiederaufbaus von Günther Becker. Verlag Winfried Jenior, 144 S., 29,90 Euro

Von Mark-Christian von Busse

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