Interview: Dustin Hoffman gibt mit 75 sein Regiedebüt mit dem Film „Quartett“ über alternde Opernsänger

„Geistiger Horizont kann wachsen“

Mit 75 Jahren sitzt Dustin Hoffman („Die Reifeprüfung“) erstmals auf dem Regiestuhl. In der charmanten Komödie „Quartett“ erzählt er von streitlustigen Künstlern im Altersheim.

Wie kam es zu dieser späten Reifeprüfung als Regisseur?

Dustin Hoffman: Ich komme eben langsam in die Wechseljahre. Ein anderer Regisseur war abgesprungen und man bot mir dieses Projekt an. Ich las das Drehbuch und war begeistert. Mir gefiel die Idee eines Ruhesitzes für alternde Musiker, die keine Auftritte mehr bekommen, weil sie als zu alt gelten, obwohl sie ihre Instrumente nach wie vor brillant beherrschen. Ich bin stolz, dass wir für die Nebenrollen echte Musiker gefunden haben, die genau dieses Schicksal erleiden.

Wäre so eine Alten-WG mit Künstlern wie im Film auch ein Zukunftsmodell für Sie?

Hoffman: Nein, niemals. Lieber würde ich allein in einer Zelle fristen. Es sei denn, in dieser WG wären nur Frauen.

Wie gehen Sie selbst mit dem Alter um?

Hoffman: Meine heimliche Formel lautete: Solange ich mein Alter verdoppeln kann, bin ich noch nicht alt. Mit 40 kann ich noch 80 werden, mit 45 noch 90. Doch irgendwann sagte mein Schwiegervater, du bist jetzt 54, wie viele Leute kennst du, die 108 sind?

Wie groß ist Ihre Angst vor Zipperlein und gravierenden Krankheiten wie Alzheimer?

Hoffman: Meine Familie würde sagen, ich hätte meinen Verstand schon vor Jahren verloren. Im Ernst: Mein Erinnerungsvermögen hat nachgelassen. Ich weiß jedoch nicht, ob das mit dem Alter zu tun hat oder mit meinen Medikamenten gegen Cholesterin. Meine Hoffnung ist, wie es auch der Film zum Ausdruck bringt: Selbst wenn die körperlichen Einschränkungen zunehmen, kann der geistige Horizont wachsen.

Ein Film über alte Menschen und Musik klingt nicht spontan nach Kassenknüller - weshalb dieser Stoff für das Debüt?

Hoffman: Stimmt schon, bei einem Film über pensionierte Opernsänger wird nicht jeder sofort ins Kino stürzen, umso wichtiger war es, diesem Projekt eine besondere Energie zu verleihen, die das Publikum fesselt und die sofort deutlich macht, dass es bei diesem Film nicht um den Geruch von Urin geht.

Als Schauspieler macht Ihnen keiner etwas vor, wie selbstbewusst saßen Sie auf dem Regiestuhl?

Hoffman: Kein Regisseur kann sicher sein, wie seine Arbeit ausfallen wird. Beim Drehen steckt man in einem Tunnel und sieht kein Licht am Ende. Als „Casablanca“ gedreht wurde, hat niemand gesagt: „Hallo, wir machen gerade einen großen Kultfilm.“

Sind Schauspieler die besseren Regisseure?

Hoffman: Jeder Schauspieler macht seine Erfahrungen mit den Zicken der Regisseure. Ein schlechtes Zeichen ist es, wenn der Regisseur beim Drehen die Dialoge mitspricht. Das bedeutet, dass er den Film in seinem Kopf fertig hat und er nicht mehr auf die Leistung der Darsteller achtet. Man kann zwei Typen von Regisseuren unterscheiden: Die einen, die überrascht werden wollen. Und die anderen, die das völlig ignorieren.

Singen Sie Opern in der Dusche?

Hoffman: Nein, dazu kenne ich mich doch zu wenig aus. Ich habe zwar so ein „Opern für Dummies“-Buch, das mir gut gefällt - aber zum Experten reicht es leider nicht.

Von Dieter Oßwald

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