Christoph Stiefels Inner Language Trio beeindruckte mit anspruchsvollem Jazz im Theaterstübchen

Geistreiche Ekstase auf dem Klavier

Konzentriert: Christoph Stiefel (links) mit Thomas Lähns am Kontrabass und Lionel Friedli am Schlagzeug. Fotomontage: Fischer

KASSEL. Es brodelte gehörig im Theaterstübchen. Und es war zugleich intellektuelle Musik, wobei dieser Begriff nicht auf populistische Weise als Schimpfwort verstanden werden sollte. Bei der Reihe „Jazz ist dienstags“ gastierte das viel gepriesene Inner Language Trio des Schweizer Pianisten und Komponisten Christoph Stiefel.

Als einen der interessantesten Pianisten in Europa bezeichnet das Deutschlandradio den gebürtigen Zürcher, der an der Luzerner Hochschule unterrichtet. Einen ganz eigenen Stil hat Christoph Stiefel entwickelt - mit dem erstaunlichen Rückgriff auf die uralte Kompositionstechnik der Isorhythmik, die im 14. und 15. Jahrhundert zu den Gestaltungsmitteln der Motette zählte.

In einer isorhyhthmischen Motette wird ein rhythmisches Modell wiederholt, während die Tonhöhen wechseln. Gerade das Moment der Überlagerung von verschiedenen Ebenen interessiert Stiefel. Er räumt dabei ein, dass seine Musik abstrakt wie sinnlich erfahren werden kann: Musiker hören die Komplexität, andere nehmen darin eher die Energie wahr.

Unerhört dynamisch ging es im Theaterstübchen bei diesem Top-Act zu. Der Bandleader selbst glänzte neben seinem kompositorischen Konzept mit einer oft wie ekstatisch wirkenden pianistischen Virtuosität. Als tolle Musiker präsentierten sich auch der Kontrabassist Thomas Lähns und der mit wuchtiger Präzision auftrumpfende Schlagzeuger Lionel Friedli.

Was doch ein wenig auffiel: Der Club war zwar gut besucht, bei Bands mit viel schlichterer Musik hat man aber schon öfters ein größeres Publikum angetroffen.

Von Georg Pepl

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