"Mehr Sound" - Raggabund  im Schlachthof

Brillante Vocals: Don Caramelo. Foto: nh

Kassel. „Antifaschisten - wo seid ihr!“ Nein, es war nicht der Parteitag der Linken, der da im Kulturzentrum Schlachthof anmoderiert wurde. Spätestens seit die Hip Hopper von Deichkind aktuell mit „Bück dich“ die Hitlisten rocken, sind politische Statements in deutscher Sprache wieder sexy.

So eröffnete Don Caramelo von der Münchner Dancehall-Reggaeband Raggabund einen Konzertabend, für den bei Freunden anspruchsvoller Downbeat-Partymusik Anwesenheitspflicht bestand.

Präsentiert wurden hauptsächlich Songs aus dem aktuellen Album „Mehr Sound“, und dabei ist der Titel auch Programm. Denn Sound ist das Serum, mit dem man Ganja-Rhythmen Coolness injiziert und das in tiefsten Subbass-Gefilden für stimulierende Bewegungsabläufe sorgt.

Mitreißender Rap

DJ Lobstarr auf der Bühne und Mixer Robert Sell an den Reglern der Hausanlage schoben die 30 Hertz so gekonnt durch den Saal, das dem zahlreich erschienenen Publikum keine Chance zur Passivität eingeräumt wurde. Den Rest besorgten Paco Mendoza und Don Caramelo mit allen Varianten, die dieses Genre zu bieten hat. Perfektes Toasting, brillante Vocals und mitreißender Rap ließen keinen Zweifel an der kreativen Kompetenz der beiden Brüder mit südamerikanischen Wurzeln aufkommen. Ihre perfekt gestylte Show brannten sie ab wie eine jamaikanische Riddim-Orgie.

Souveräner Auftritt

Intelligente Texte, weit entfernt von der gerappten Desorientierung eines Bushido, verklebte Raggabund gekonnt mit Beats, die schon bei Shaggy, Gentleman und Pitbull bestens funktionierten. Mit flüssigem Entertainment, souveräner Live-Performance und animierten Aktivitäten stabilisierten sie die Stimmungslage im Gute-Laune-Bereich und überzeugten mit Kondition bei der professionellen Tiefenbohrung.

Wenn es zu sehr nach Popmusik roch und Bruno Mars durch die Kompositionen geisterte, verließen Raggabund rechtzeitig den Kommerz-Highway in Richtung Underground und vermieden damit den Eindruck, dass eine Chartplatzierung vielleicht doch das Geilste wäre im Leben. Großer Applaus.

Von Andreas Köthe

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