Das Theater am Fluss zeigt das traurig-skurrile Stück „Haltestelle Geister“ mit 13 Schauspielern

Gelacht wird, weil es so bitter ist

Engagiert: Klaus Fischbach (von links), Nadine Bannach, Jeannine Kollatz, Eline Hartmann, Frank Böck, Sebastian Rückert und Katrin Töppe vom Theater am Fluss. Foto:  Schmidt

KAssel. Auf der Bühne steht eine Bank. Rechts und links davon zwei Stellwände, die mit Graffiti besprüht sind, eine Straßenlaterne und ein Bushaltestellenschild. Schlicht und atmosphärisch ist das Bühnenbild. Unter der Regie von Viktor Dell feierte das Kasseler Amateurtheater Theater am Fluss am Freitag mit „Haltestelle Geister“ Premiere in der Halle 2. In dem Stück von Helmut Krausser, das 1999 uraufgeführt wurde, verweben sich an einer Bushaltestelle die Schicksale sehr unterschiedlicher Menschen auf meist unglückliche Weise.

Rico (Sebastian Rückert) verkauft Drogen. Die erstehen drei aggressive Mädchen in billigen Klamotten (Judith Féaux de Lacroix, Jeannine Kollatz, Eline Hartmann) von dem Geld, das sie einem älteren Mann (Frank Böck) dort gestohlen haben. Auch Tallulah (Nadine Bannach) würde gern Drogen kaufen. Sie aber hat kein Geld und vielleicht in der Vergangenheit schon zu viele genommen. Sie behauptet, sie sei Prinzessin von Tallulah, einem Planeten am Ende des Alls, zu dem sie zurückkehren möchte. Eine sehr alte Frau (Erna Fertinger) sucht ihren Mann. Ein Mann (Gunther Burfeind), der sich Großinquisitor nennt, möchte seiner Internetbekanntschaft begegnen.

Fantasten treffen auf Pragmatiker, Reiche auf Penner. Daraus ergeben sich Konflikte und verzweifelte Annäherungsversuche. Der Ton ist rau. Gutes ist geil, Schlechtes ist scheiße. Hinter all dem Frust blitzt aber die Sehnsucht nach Geborgenheit und Liebe auf. Die Größe des Ensembles mit 13 Schauspielern, ihre unterschiedlichen Figuren sowie Zwischenspiele mit Techno oder einem Elvis-Song sorgen dafür, dass das Stück sehr bunt wirkt. Der gut gelaunte Jogginghosenträger Rico macht Spaß. Rene Spitzer und Andrea Glowig begeistern als reiches Paar, das eine Hassliebe voller sexueller Gewaltfantasien pflegt. Gelacht wird, weil die Situationen so absurd und bitter sind. Die rund 70 Personen im fast ausverkauften Theater spendeten viel Applaus.

In weiteren Rollen: Klaus Fischbach, Gerrit Reinecke und Katrin Töppe.

Weitere Termine: 29./30.11. ab 20 Uhr, 1.12. ab 16 Uhr, Halle 2, Grüner Weg 15-17.

Von Valerie Schmidt

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