Mario Adorf wünscht sich zum Geburtstag nur eines: Einmal Karl Marx spielen

Der geläuterte Schurke

In Deutschland und Italien zu Hause: Schauspieler Mario Adorf.

Eigentlich steht er nicht gern im Mittelpunkt. Rummel um seine Person ist Mario Adorf ein Gräuel. Auf eine Fernsehgala zu seinem 80. Geburtstag verzichtet der Deutsch-Italiener, denn die seien „bei anderen immer peinlich und schrecklich“ gewesen.

Ewiger Bösewicht, Spieler, Macho und Vaterfigur im Film, Weltbürger und Individualist im Leben. Den Medien sind die Schubladen für den Schauspieler nie ausgegangen – passen wollte er in keine. Heute, an seinem 80. Geburtstag, blickt „die graue Eminenz des deutschen Films“, wie er in der Branche ehrfurchtsvoll genannt wird, auf eine beispiellose Karriere zurück.

Gesichter des Mario Adorf - Schauspieler feiert 80. Geburtstag

Dabei sind ihm in den Anfängen die Herzen nicht gerade zugeflogen. Denn lange riefen Deutschlands Filmproduzenten ihn an, wenn es darum ging, der menschlichen Urkraft des Bösen ein Gesicht zu geben. Und damit macht man sich nicht nur Freunde. Unvergessen ist Adorf in der Rolle des Bruno Lüdke in „Nachts, wenn der Teufel kam“, womit er 1957 seinen Durchbruch feierte. Dort spielte er einen Hilfsarbeiter, der hinter der Fassade des simpel gestrickten Taugenichts jahrelang Frauen ermordet.

Aufgewachsen ist Adorf bei seiner Mutter in der Eifel, die ihn später aus beruflichen Zwängen in ein Waisenhaus gab. Wie sehr er sie verehrt, zeigt sein Roman „Mit einer Nadel bloß“, in dem er ihr Leben literarisch verarbeitet. Seinen italienischen Vater hat er nur einmal getroffen. Lange hat Adorf in Rom gelebt, ist seit über 40 Jahren mit der Französin Monique, eine frühere Freundin von Brigitte Bardot, verheiratet.

Im Film haben ihm die Menschen den Mord an Winnetous Schwester Nscho-tschi lange nachgetragen. Kaltblütig hatte er die Indianerin erschossen. Das Böse als Teil der menschlichen Seele fasziniert Adorf: „Der reine Held ist ungebrochen und daher auch nicht reflektiert. Der Böse reflektiert sich immer selbst“, sagt er in einem Interview. In Mainz hatte er Kriminalistik studiert, um die dunkle Macht besser zu verstehen.

In den 70ern brillierte Adorf als verschlagener Inspektor in „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, zeigte später in Helmut Dietls Kult-Serie „Kir Royal“ auch seine komische Seite. Inzwischen hat er das Etikett des Schurken abgestreift und entwickelte sich mit Filmen wie „Rossini“ oder „Der große Bellheim“ zum ergrauten Gentleman.

Einen Herzenswunsch konnte er sich bislang noch nicht erfüllen: Einmal Karl Marx spielen. Dem SWR legte er seine Filmidee vor, die dieser ablehnte. Adorf kämpft weiter: „So viel Zeit habe ich nicht mehr.“

Von Kristin Dowe

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