Neu im Kino: „Das Ende ist mein Anfang“ porträtiert den „Spiegel“-Journalisten Tiziano Terzani

Gelassen auf den Tod blicken

Blick aufs große Ganze: Bruno Ganz als Tiziano Terzani. Foto:  nh

Tiziano Terzani, der über dreißig Jahre als Asien-Korrespondent für den

„Spiegel“ schrieb, war eine journalistische Institution. Er berichtete vom Einmarsch der nordvietnamesischen Truppen in Saigon und war in den frühen 80er-Jahren einer der ersten westlichen Journalisten im kommunistischen China. Aber dann kam der Krebs. Drei Jahre verbrachte Terzani im Himalaja bei einem buddhistischen Lehrer und stand danach dem nahenden Tod mit erkenntnisreicher Gelassenheit gegenüber.

Sein Sohn Folco Terzani hat das Lebensresümee des Vaters aufgeschrieben. Regisseur Jo Baier („Stauffenberg“) inszeniert das Leben des Journalisten nun nicht als aufwendige Großproduktion, die an die fernöstlichen Schauplätze reist, sondern als intimes Vater-Sohn-Kammerspiel.

Der alte Terzani mit dem langen Bart wird von Bruno Ganz gespielt, der die monologische Last des Drehbuchs professioneller Kraft trägt. Man hört Ganz gern zu, wenn er von den ideologischen Irrtümern seiner Generation erzählt. Denn auch Terzani glaubte an die kommunistische Vision und wurde in China auf den Boden der politischen Tatsachen geholt. Baier konzentriert sich auf Terzanis Hinwendung zum Spirituellen und die positive Einstellung, die er daraus zum eigenen Tod entwickelt. Dass Terzani trotz aller Gelassenheit ein Patriarch mit Herrschaftsanspruch war, solche Konflikte werden nur angetippt, um die allzu deutlich ausformulierte lebensversöhnliche Botschaft des Filmes nicht zu gefährden.

Dass der Tod oft in weniger luxuriöser Form in Erscheinung tritt, kann jedoch auch durch das spirituelle Pathos von Terzanis Erkenntnissen nicht weggewischt werden.

Genre: Biografie

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!!::

Von Martin Schwickert

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