Mitch Ryder trat am Abend vor seinem 65. Geburtstag im Fiasko auf

Gut gelaunter Blues

Schäkerte mit seinem Publikum: Mitch Ryder. Foto: Fischer

Kassel. „Heute Nacht feiere ich mein Jungsein. Denn morgen habe ich Geburtstag. Und dann bin ich schon alt“, verkündete Rock-Blues-Urgestein Mitch Ryder noch 64-jährig, umgeben von seiner deutschen Begleitband Engerling am Donnerstag im überfüllten Fiasko. Im Gepäck: Die neue CD „Detroit Ain’t Dead Yet“.

Da steht er, zunächst fast bewegungslos und etwas entrückt, der alte Herr, der zwischen Rock ’n’ Roll, Funk, Delta- und Chicago-Blues wandelt. Er kennt den Glamour und die Schattenseiten des Rampenlichtes. Er, der 1979 mit einer halben Flasche Jack Daniel’s im Blut beim unvergessenen Auftritt im „WDR-Rockpalast“ für Furore sorgte, ist immer Rebell geblieben. So eröffnete er den Abend mit Bob Dylans legendärem „Masters Of War“ und sorgte mit dem Klassiker „Ain’t Nobody White“ für tosenden Applaus und überschwängliche Zwischenrufe.

Gänsehaut entlockte die schillernde Ballade „Crazy Beautiful“ aus dem neuen Album. Mit seinem markanten, tief gehauchten Zeitlupenvibrato sang er mitreißend von der Schönheit und dem Wahn des Lebens, das manchmal so verdammt hart sein kann.

„In den 60ern war ich ein großer Star“, fuhr er grinsend fort und veranschaulichte in einer Art Rockversion des Ententanzes, wie ganze Kinderscharen zu seinem populären „Shake A Tail Feather“ zu tanzen pflegten. Nach der anfänglich eher getragenen Bluesatmosphäre wurde spätestens nach diesem Titel deutlich mehr getanzt.

Gut gelaunt schäkerte Ryder mit seinem Publikum und lobte die Englischkenntnisse seiner begeisterten, lauthals kommentierenden Fans. Manne Pokrandt am Bass und vor allem Pitti Piatkowski auf der Gitarre brillierten mit beeindruckenden Soli zu Jim Morrisons „The Music Is Over“. Gute eineinhalb Stunden, bevor Mitch Ryder das gesetzliche Rentenalter erreichte, verabschiedete er sich lächelnd: „Be safe, be happy, live a long life.“

Von Carolina Rehrmann

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