Uraufführung eines Theaterstücks über Scheine und Münzen

Wo wir wie Geld sind

Kassel. Verliebte Zwanzig-Euro-Scheine, eine Mark-Münze und der aufschneiderisch auftretende Kapitalmarkt, der zur Analytikerin kommt, sind Figuren in Katja Hensels neuem Theaterstück „Im Sprung der toten Katze“, das als Auftragsarbeit des Kasseler Staatstheaters am Samstag seine Uraufführung im Theater im Fridericianum (tif) erlebt.

Frau Hensel, können Sie Geldscheine und Münzen überhaupt noch unbefangen anschauen?

Katja Hensel: Nein, in der Tat, die sind jetzt mehr mit Geschichte aufgeladen. Bei Münzen schaue ich genau drauf, wo kommen die her, wo sind die vielleicht gewesen, wie sehen die aus?

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Stück zu schreiben, wo Geld die handelnden Figuren darstellt?

Hensel: Am Anfang hatte ich noch reale Personen im Kopf und wie sich Beziehungen durch Geld verändern. Im Nachdenken habe ich dann gemerkt, dass im Mechanismus Geld alles drinsteckt. Stichworte Sich-selbst-Optimieren, Partnerbörsen, welchen Marktwert habe ich. Ich habe gezielt nach Überschneidungen geschaut: Wir Menschen haben das Geld erfunden - wo sind wir ihm ähnlich?

Wie haben Sie das Stück gebaut, sodass man merkt, dass es nicht nur von lustigen Münzen, sondern auf einer tieferen Ebene auch von Menschen, vom Menschlichen handelt?

Hensel: Klar, man soll über die sprachlichen Analogien stolpern: Schulden-Schuld, Kredit-Credo, Absatz-Absetzen. Erst mal soll man sich fasziniert in diese Geldwelt einfühlen. Mir ging es so, dass ich beim Schreiben irgendwann nicht mehr Geldscheine, sondern Menschen vor mir gesehen habe. Es soll beim Zuschauer so sein wie bei diesen Vexierbildern, worin man mal das eine und mal das andere Motiv erkennt.

Was bedeutet der Titel „Im Sprung der toten Katze“?

Hensel: Das kommt von einem Börsenbegriff: Dead Cat Bounce bezeichnet eine Aktie, die einmal gestiegen ist und dann nie wieder hochkommt. Das passt doch zur derzeitigen Finanzsituation.

Wie können die Geldscheine und Münzen auf die Bühne gebracht werden?

Hensel: Mir ist wichtig, dass das mehrdimensionale, ernst zu nehmende Figuren sind und dass die Stimmung nicht Richtung Kabarett abdriftet.

Premiere am Samstag, Kostprobe am Mittwoch, 20.15 Uhr, tif, Karten: 0561-1094-222.

Von Bettina Fraschke

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