Geschichte einer Auftragskomposition: Michael Töpels „Te Deum“, das Michael Gerisch an Pfingsten aufführt

„Gelegenheit schafft Werke“

In engem Austausch über das Auftragswerk zum 100-jährigen Bestehen der Kantorei Kirchditmold: Komponist Michael Töpel (links) und Kirchenmusikdirektor Michael Gerisch. Foto: Fritsch

Kassel. Mit einem Lobgesang begann vor 100 Jahren die Geschichte der Kantorei Kirchditmold. Vermutlich war es das „Te Deum“ aus dem Gesangbuch, das die ersten Chorsänger im Pfingstgottesdienst 1911 im Wechsel vortrugen.

Im Pfingstgottesdienst 2011 wird wieder ein „Te Deum“ in der evangelischen Kirche an der Schanzenstraße erklingen. Diesmal aber eine neue, ambitionierte Komposition des Kasseler Komponisten Michael Töpel.

„Lassen wir uns ein neues Te Deum schreiben“, hatte Kirchditmolds Kantor Michael Gerisch nach Beratung mit Kollegen entschieden, und er kam dabei auf Töpel, dessen „Friedenskantate“ die Harleshäuser Kantorei 2008 mit Erfolg uraufgeführt hatte.

„Eine Riesenachtung“, sagt Töpel, habe er bei der Anfrage zunächst davor empfunden, welche großartigen Te-Deum-Vertonungen über die Jahrhunderte entstanden, darunter von Meistern wie Händel, Mozart und Bruckner.

Über den Kompositionsauftrag habe er sich dennoch sehr gefreut, denn: „Gelegenheit schafft Werke.“ Entscheidend sei die Auswahl der Textteile gewesen, denn einige Passagen des mittelalterlichen Te Deum seien heute „dogmatisch fragwürdig“. Er hat daher die lateinischen Teile mit „Text-Kontrapunkten“ von Reiner Kunze, Rainer Maria Rilke und Dietrich Bonhoeffer versehen.

„Von den Texten fühlte ich mich als Komponist an die Hand genommen“, sagt Töpel. Es entstand eine dreiteilige Komposition von rund 30 Minuten Dauer mit den Abschnitten „Anbetung - Bewahrung“ samt einem Intermezzo, „Bekenntnis - Beistand“ und „Beistand - Hoffnung“. Außer Chor und Kammerorchester umfasst das Werk zwei Solopartien für Sopran und Bariton.

Der Komponist Michael Töpel und der musikalische Leiter der Uraufführung, Michael Gerisch, betonen übereinstimmend, wie fruchtbar die Zusammenarbeit während des Kompositions- und Probenprozesses war. „Sie vergessen aber nicht, dass ich einen Laienchor habe“, hatte Gerisch Töpel anfangs mit auf den Weg gegeben. Der Komponist vergaß es nicht, dennoch fordert das Werk die Chorsänger, von denen nicht alle mit zeitgenössischer Musik vertraut sind.

Beide freuen sich nun auf die Aufführung. „Wir machen das nicht nur für uns“, sagt Gerisch, „denn wir haben etwas zu verkündigen.“

Uraufführung im Pfingstgottesdienst am 12. Juni, 10 Uhr, in der ev. Kirche Kirchditmold.

Von Werner Fritsch

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