Gelenkter Zufall:

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Abdruckverfahren mit Plakafarbe: Ein Gemälde des Künstlers Christof Heyduck. Foto: Esterer

Kassel. Ist das ein Fluss, eine Unterwasserlandschaft, sind das Äste, Steine, Wurzeln? Die Bilder und Videos des Malers und Bühnenbildners Christof Heyduck, die zurzeit in der Adventskirche zu sehen sind, werfen Fragen auf. Sie fordern den Betrachter, in die verborgenen Welten einzudringen und Gedankenspaziergänge zu machen. Sämtliche der über 20, teils großformatigen Gemälde, seit den 80er-Jahren entstanden, sind mit Plakafarbe in einem Abdruckverfahren hergestellt.

Preußischblau dominiert in hellen und dunklen Tönen. Schicht für Schicht trug der Künstler die Farbe auf und ließ sie verschmelzen. „Es entstehen Formen, die man nicht malen kann, das ist gelenkter Zufall“, sagt der 84-Jährige, der erst 1948 aus französischer Kriegsgefangenschaft heimkehrte und anschließend bis 1954 an der Werkakademie Kassel studierte. Seine Lehrer waren der Bühnenbildner Theo Otto sowie der Grafiker Hans Leistikow, der kurz vor seinem Tod 1962 den Auftrag bekam, die Glasfenster in der Adventskirche zu gestalten. Die Ausführung der Entwürfe betreute einer seiner Schüler.

Im Zuge der informellen Kunst vermied Leistikow eine gegenständliche Gestaltung. Stattdessen fügte er Dreiecke und Quadrate in den Farben des Firmaments, aber auch in den Umbratönen des Irdischen zu Fensterfronten. Dirk Schwarze verwies in seiner Einführung darauf, dass sich in der Schau die künstlerische Nähe Heyducks zu seinem Lehrer zeige. Mit Bedacht seien Kompositionen ausgesucht worden, „die in der Farbigkeit verwandtschaftliche Bezüge herstellen“.

Als Bühnenbildner gestaltete der in Breslau geborene und in Bad Orb lebende Heyduck von 1954 bis 1996 deutschlandweit etwa 300 Inszenierungen. Seine jüngsten Arbeiten sind Videos, die das Fließende, Sich Überschneidende seiner Kunst umsetzen. Es ist spannend, sich auf diese bewegten Bilder einzulassen.

Bis 31. August 2014, Lasallestr. 2, Di/Do 16-18 Uhr, Fr/ Sa 15-18 Uhr, So 10-13 Uhr.

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