Genauer Blick: Eva Lange inszeniert am Staatstheater „Drei Mal Leben“

Regisseurin Eva Lange und Autorin Yasmina Reza. Fotos: dpa/ nh

Yasmina Rezas Komödie „Der Gott des Gemetzels“ war auch in Kassel ein Renner auf der Bühne. Mit "Drei Mal Leben" kann man nun am Staatstheater ein weiteres Stück der Französin erleben.

Kassel. Die großen Worte fallen Regisseurin Eva Lange nicht schwer: Sie hält die 55-jährige Dramatikerin Yasmina Reza für die „brillanteste Autorin Frankreichs, wenn nicht überhaupt, wenn es darum geht, den Menschen genau zu beschreiben“. Eine Alltagssituation reiche Reza aus, um daran ein ganzes Menschenleben zu erzählen und zudem den Blick auf unsere Gesellschaft zu weiten. In der Genauigkeit ihrer Figurenzeichnung und in der Grundierung der Komödie im Tragischen ähnelt Reza in Langes Einschätzung Anton Tschechow. Derzeit erarbeitet Eva Lange für das Kasseler Staatstheater das Stück „Drei Mal Leben“. Premiere ist am Samstag.

Wie in ihrem auch in Kassel erfolgreich gelaufenen Stück „Der Gott des Gemetzels“ arbeitet Reza mit zwei Paaren. Das eine besucht das andere. Nur: Hubert und Ines kommen einen Tag zu früh, Henri und Sonja sind überhaupt nicht auf Besuch vorbereitet, es ist nichts Passendes zu essen im Haus, das Wohnzimmer nicht aufgeräumt. Für Henri ist der Besuch seines Vorgesetzten wichtig, denn es geht um die Karriere.

Für Lange, die einst in Kassel Regieassistentin war und mittlerweile als Oberspielleiterin am Theater in Wilhelmshaven arbeitet, hat das 2000 erschienene Stück in den letzten Jahren noch mehr an Brisanz gewonnen, weil das Klima in der Berufswelt kälter geworden sei.

Reza zeigt dieselbe Ausgangsszene drei Mal, mit leichten Verschiebungen. Auch dies ist nach einem Phänomen konstruiert, das viele Menschen kennen: Dass man gedanklich immer wieder durchspielt, was passiert wäre, wenn ein Aspekt einer Begegnung anders gewesen wäre, wenn man an einer Stelle geschwiegen oder nicht so viel Wein getrunken hätte.

„Ich gehe beim Regieführen immer von den Spielern aus“, sagt Eva Lange, sie lässt an einigen Stellen den Darstellern die Freiheit, aus dem Moment zu entscheiden, zu wem sie welchen Satz sagen. Nur der Rhythmus muss stimmen. Ebenso die Temperatur einer Szene, die sie im Team genau erspürt und erarbeitet.

Einen Gewinn will sie auch aus der Konstellation ziehen, dass das eine Paar das andere beobachtet und dabei wiederum von den Theaterbesuchern beobachtet wird: eine Chance für (Selbst-)Erkenntnis. Es spielen Christina Weiser und Jürgen Wink mit Caroline Dietrich und Christian Ehrich.

Premiere am Samstag, 19.30 Uhr, Schauspielhaus. Karten: 0561-1094-222.

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