Der geniale Grieche: Eine großartige Schau zu El Greco

El Greco (Selbstporträt)

Düsseldorf. Wer kennt schon Domenikos Theotokópoulos? Der Grieche ging im 16. Jahrhundert den Weg, den viele seiner Landsleute heute wieder einschlagen - in den reichen Norden. Ihn verschlug es nach Venedig, dann nach Rom und schließlich nach Toledo. Hier erst erhielt der Maler den Namen, unter dem er bekannt wurde: El Greco, der Grieche.

Aber schon zu Lebzeiten war die Malerei El Grecos (1541-1614) umstritten. Nach seinem Tod geriet er vollständig in Vergessenheit - um über 200 Jahre später ein Comeback zu feiern. Zuerst entdeckten ihn französische Künstler wie Delacroix, Manet und Cézanne. 1910 sorgte dann Julius Meier-Graefe mit seinem Buch „Spanische Reise“ für den nächsten Popularitätsschub. „Ich habe einen genialen Menschen gefunden. Ein Mann aus der Gegend Rembrandts und uns so nahe wie ein Zeitgenosse.“

Die Folgen sind nun Thema der ersten El-Greco-Ausstellung in Deutschland. Im Düsseldorfer Museum Kunstpalast werden unter dem Titel „El Greco und die Moderne“ 40 Arbeiten des Meisters 100 Werken bedeutender Künstler gegenübergestellt, die sich auf El Greco beziehen.

Der in seiner Heimat Kreta als Ikonenmaler ausgebildete und in Italien an Tizian und Michelangelo geschulte Künstler wird als Ideengeber für Im- und Expressionismus sowie den Surrealismus gedeutet. Die Ausstellung knüpft oft überraschend deutliche Verbindungslinien von El Greco zu Delaunay und Picasso, Beckmann, Kokoschka und Schiele.

Was aber macht den Griechen zur Vaterfigur der Moderne? Vor allem am Spätwerk, an Bildern wie „Laokoon“ und „Die Öffnung des fünften Siegels“, die Museen in den USA für die Schau freigaben, lässt sich der Markenkern El Grecos entschlüsseln: seine meist überlangen, von Erregung durchdrungenen Figuren und die fast grelle Farbigkeit, die auch aus den Gewändern der Apostel-Serie strahlt, vor oft dramatisch düsterer Kulisse. Seine reduzierten und konzentrierten Kompositionen brachen mit den gängigen malerischen Konventionen.

Sein Sonderweg trug dazu bei, dass El Greco hochverschuldet gestorben ist. Mit seinen Kunden hatte er Rechtsstreitigkeiten auszufechten, weil er seine Bildthemen zu individuell angelegt hatte. Dass Verehrung der Effekt der Heiligendarstellung sein solle, wie es die Kirche postulierte, schien ihn beim Malen nicht den Pinsel geführt zu haben. Zum Anbeten eigneten sich die Bildnisse von Christus, Petrus, Jakobus oder Hieronymus, denen das Leid eingeschrieben ist, nicht unbedingt.

Ausdruck war El Greco wichtiger als Form. Sein persönlicher Blick auf das Bildthema zeigt sich im „Laokoon“ etwa dadurch, dass von den drei sonst heroisch aufrecht dargestellten Figuren schon zwei zu Boden gegangen sind.

Die großartige Düsseldorfer Schau zeigt eindrucksvoll, dass El Greco seiner Zeit deutlich voraus war. Und sein Einfluss scheint immer noch nicht nachzulassen.

Bis 12. August, Kunstmuseum Düsseldorf, Kontakt: 0211/8990190, www.smkp.de

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