Neu im Kino: „The Social Network“ erzählt von der Gründung von Facebook

Neu im Kino: „The Social Network“ über die Facebook-Gründung

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Bei einem Hacker-Angriff: Die Computer-Nerds Mark (Jesse Eisenberg, links) und Dustin (Joseph Mazzello) vor dem Rechner.

Kassel. Hut ab für Regisseur David Fincher, der in seinem Filmporträt des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg ausgerechnet die Geschichte eines Computer-Nerds erzählt, der im Umgang mit Menschen völlig unfähig und allein im Programmieren brillant ist.

„The Social Network“ ist ein Film über die womöglich bahnbrechendste Erfindung, seit es das Internet gibt: Mark Zuckerberg hat als Informatik-Student in Harvard ein Netzwerk geschaffen - erst unibezogen, dann weltweit - in dem sich Leute im Netz austauschen können.

Der Ursprung dieser Idee - so der Anfang des Films - liegt ausgerechnet in jenem Moment, als Marks Freundin nach einer weiteren Packung fieser Sprüche mit ihm Schluss macht, Mark sich im Wohnheim an den Computer setzt und wütend Fotos von allen Mädchen in Harvard auf einer Website hochlädt mit der Möglichkeit, die Girls nach „Geilheit“ zu bewerten. Schon in derselben Nacht bricht das Uni-Computersystem zusammen.

Mit seinem einzigen Freund und Geldgeber Eduardo baut er die Idee aus und wird zum jüngsten Milliardär der Welt. Doch dann wird er verklagt und am Ende sogar noch einsamer.

Zwei Verhandlungen wegen Ideenklau und finanzieller Entschädigung hat Mark am Hals, diese bilden den Rahmen für Rückblenden, in denen der Film den Gründungsmythos von Facebook konstruiert. Dabei ist die Figurenzeichnung allerdings so schematisch, sind die Konflikt-Konstellationen so reißbretthaft abgehandelt, als wäre die Geschichte gar nicht wirklich passiert.

Stark sind aber die Dialoge von Drehbuch-Könner Aaron Sorkin, die kalt, böse und schnell hin- und herfliegen. Gut erfunden. Und stark ist Hauptdarsteller Jesse Eisenberg, der es mit undurchdringlichem Schweigen schafft, seiner Figur das Geheimnis zu lassen: Wollte er bewusst anderen schaden, oder kapiert dieser Typ einfach nicht, wie faire Geschäftsbeziehungen funktionieren?

Fincher und Sorkin machen klar: Die revolutionäre Veränderung unserer Kommunikationswege passiert aus völlig banalen Gründen: Wir wollen uns über Alltägliches austauschen, suchen Sexualpartner und das Gefühl, zu einer In-Clique zu gehören, zu der nicht jeder Zugang hat. Das zeigen nüchterne Bilder von bierflaschenübersäten Studibuden und glasig blickenden Jung-Programmierern, die nur über den richtigen Computercodes in Verzückung geraten können.

Von Bettina Fraschke

 Regisseur David Fincher über

.. Kontakt mit Mark Zuckerberg

 Seine Leute haben sehr früh entschieden, dass sie mit dem Film nichts zu tun haben wollen.

... Zuckerberg als Typ

Die einen sagen, er sei ein Arschloch. Die anderen halten ihn für ein Genie. Er war 19 Jahre alt, als er mit unglaublicher Vorstellungskraft das Projekt entwickelte.

... Facebook

Auf den Magazinenam Kiosk findet man immer die gleichen Filmstars, die die Öffentlichkeit sehen will. Facebook gibt nun Menschen die Macht, ihr eigenes Magazin über sich selbst zu schreiben. Dass viele damit fünf Stunden am Tag zubringen, ist ebenso albern wie tragisch.

... Narzissmus

Narzissmus ist eine sehr menschliche Eigenschaft. Auch wenn Facebook den Narzissmus füttert, bleibt die Verantwortung, ob man sich darauf einlässt, immer noch bei dem Narzissten selbst. ... das Internet Das Internet ist auch sehr nützlich. Aber wir haben es zu einem riesigen Speicher gemacht, in dem jeder seine Meinung absondern kann. Das ist nicht die Schuld der Technologie. Wir haben uns entschieden, sie so zu nutzen.

Mark Zuckerberg - Filmheld, Milliardär und Gründer von Facebook

Er gilt als Wunderkind undund neuer Bill Gates. Mit dem Internet-Netzwerk Facebook hat Mark Zuckerberg aus Kalifornien das heißeste Ding seit Google erfunden. Die gerade verfilmte Geschichte des 26-Jährigen ist eine der ganz großen Zahlen.

10 Jahre war Zuckerberg, als er mit dem Programmieren begann. Für die Zahnarztpraxis seines Vaters in einem New Yorker Vorort bastelte er das Programm ZuckNet, das Nachrichten zwischen den Rechnern versendete. Auf einem Eliteinternat programmierte er dann eine Software, die sogar Microsoft und AOL beeindruckte: Die Unternehmen wollten ihn sofort einstellen.

65 Millionen Dollar zahlte Zuckerberg 2008 seinen ehemaligen Harvard-Kommilitonen Tyler und Cameron Winklevoss, nachdem die Zwillinge ihm vorgeworfen hatten, die Facebook-Idee geklaut zu haben. Zuckerberg hatte 2003 als Programmierer für die Brüder gearbeitet, die die Webseite „Harvard Connection“ planten, mit der sich Studenten austauschen und verabreden sollten. Doch im Februar 2004 stellte Zuckerberg seine eigene Plattform ins Netz. „Ich werde sie bescheißen“, soll er zuvor einem Kumpel gesagt haben. Seine Bekannten beschreiben ihn als Angeber, den man nicht einmal bei Facebook als Freund haben möchte.

512 Millionen Nutzer gibt es bei Facebook, davon über 11 Millionen in Deutschland. Experten prophezeien, dass Facebook bald eine Milliarde Mitglieder hat. Sie pflegen Freundschaften, flirten, werden Fans von Lady Gaga, die fast 20 Millionen Anhänger hat und treten in Nonsens-Gruppen ein wie „Kann diese Brezel mehr Fans als Tokio Hotel haben?“. 667 098 Menschen haben auf dieser Seite „Gefällt mir“ angeklickt - Tokio Hotel haben 892 989 Fans.

5830englische Wörter umfasst die Datenschutzrichtlinie des Unternehmens. Viel zu wenig, meinen Verbraucherschützer. Selbst wer seine Facebook-Seite löscht, existiert als Sicherungskopie bis in alle Web-Ewigkeiten weiter.

55 000 Dollar Gehalt soll sich Zuckerberg im ersten Jahr nur gezahlt haben. Der Single pflegt sein studentisches Image und wohnt angeblich in einem kleinen Appartement in San Francisco. Sein Vermögen wird jedoch auf 6,9 Milliarden Dollar geschätzt. (mal)

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