Gut gepfeffert: Das Trio Saitensprung im Theaterstübchen

„Heiter bis musikalisch“: Das Trio Saitensprung mit Sabine Wackernagel (links), Martin Lüker und Katharina Wackernagel im Theaterstübchen. Foto: Fischer

Kassel. Dieses Menü-Angebot hatte es in sich. Was die Köche des Trio Saitensprung am Mittwochabend im ausverkauften Theaterstübchen auf ihrer literarischen Speisekarte offerierten, hätte einem normalen Restaurantbesitzer die Küche gesprengt. Von Grönemeyers „Currywurst“ aus dem Ruhrpott-Ghetto bis zum Nackenstück vom Iberico-Schwein für den dekadenten Bourgeois – wer sich von Ringelnatz, Eugen Roth und Karl Valentin die Welt der kulinarischen Absurditäten erklären lassen wollte, der konnte sich bei dem Programm der Schauspielerinnen Sabine und Katharina Wackernagel und dem Pianisten Martin Lüker bestens amüsieren.

Traditionelle Prosa prallte auf dadaistisches Lautgedicht, und ehe man sich versah, bekam man Friedel Henschs „Ach Egon“ in die Ohren gedrückt. Dabei glänzte Lüker nicht nur mit profundem Pianospiel, sondern auch als großer Mime komischer Momente. Als Mann in Unterzahl musste er manche Spitze von Mutter und Tochter Wackernagel kontern, doch das bereitete dem eloquenten Heinz-Erhardt-Interpreten wenig Probleme. Da nervte ihn schon mehr, dass er seinen Korkenzieher der Nachbarin geliehen hatte und den edlen Tropfen nicht öffnen konnte.

Loriots Kurzgeschichte über den Produktionswechsel bei der Duisburger Rhein-Ruhrstahl vom Schützenpanzer zur Marzipankartoffel wirkte zwar etwas gewollt skurril, doch die beiden Wackernagels konnten mit ihren schauspielerischen Fähigkeiten manche inhaltliche Oberflächlichkeit wegspielen.

Wie die Löcher in den Käse kommen? Zumindest der Streit darüber amüsierte. Mein Leben als Semmel – nicht leicht zu erklären. Die Geschichte, dass der Teufel dem lieben Gott eins auswischte, indem er am Ruhetag während der Erschaffung der Erde die Maggi-Gewürzmischung erfand, musste schon gut erzählt werden, damit man damit punkten konnte.

Aber genau diese Momente meisterten die beiden Damen bis auf kleine Ausnahmen mit Bravour. Im Monolog und im Zwiegespräch kamen Temperament und Schlagfertigkeit zum Vorschein. Der spermatische Geruch von Pilzen wollte geklärt sein und Frau Birnbaums Ermordung bei ihrer Wohnzimmerparty gerechtfertigt.

Singend, rezitierend oder improvisierend. Alle drei Protagonisten verfügen über einen reichen Fundus an Möglichkeiten, um schenkelgeklopften Humor und anspruchsvolle Poesie einem dankbaren Publikum präsentieren zu können. Großer Applaus und mehrere Zugaben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.