Emma Kirkby beim Kultursommer mit mädchenhaftem Sopran

Gereifter Weltstar

Traumhaft sichere Technik: Sopranistin Emma Kirkby beim Auftritt in der Kasseler Christuskirche. Foto:  Schoelzchen

KASSEL Ein großer Name, ein Weltstar, eine Ausnahmekünstlerin, die das Bild von barocker Vokalmusik heute mitgeprägt hat wie nicht viele andere: Emma Kirkby war zu Gast beim Kultursommer Nordhessen. Wenn solch eine international gefeierte Persönlichkeit, die die sechzig hinter sich gelassen hat, in einem verhältnismäßig bescheidenen Rahmen auftritt wie dem der nicht ganz ausverkauften Kasseler Christuskirche, dann stellen sich die Musikkenner Fragen, in denen das Wörtchen „noch“ vorkommt. Die Vorstellung wurde von manchem mit einer gewissen Skepsis erwartet.

Was also bot die englische Sopranistin? Sie sang - „Händel in Rom“ war das Motto des Abends - drei frühe geistliche Werke Händels, die man kaum Kirchenmusik nennen sollte, strotzen sie doch vor Effekten um des Effekts willen.

Kirkby näherte sich dem ersten, „Salve Regina“, vorsichtig, fast schüchtern in höchst professionellem Umgang mit ihrer Stimme, die überraschend mädchenhaft klingt. Klare Aussprache, rhythmisch (wenn auch nicht immer intonatorisch) sichere Läufe und Koloraturen, dann gegen Ende beim „O clemens, o pia, o dulcis virgo Maria“ das erste (gelungene) Wagnis, die Kirche ganz zu füllen. Ähnlich das Vorgehen bei „O qualis de coelo sonus“: aus der soliden Reserve traumhaft sicherer Technik ein gelegentliches Herauskommen.

Befreiter dann zum Ende das bekannte „Gloria“, wo, zum Beispiel beim „Miserere“ Emma Kirkbys Fähigkeit zu süßen Lyrismen hinzukam. Der Jubel steigerte sich und ermöglichte zwei Zugaben. Die zweite, das wiederholte „Alleluja“ aus dem „Salve Regina“, ging zur Erheiterung des Publikums, der Sängerin und des Ensembles London Baroque gründlich daneben.

Niemand störte sich daran, zumal die vierköpfige Traditionstruppe (Ingrid Seifert und Richard Gwitt, Violine; Charles Medlam, Gambe, und Steven Devine, Cembalo) zuvor schon in Instrumentalwerken von Corelli, Couperin und Händel Kostproben einer kaum überbietbaren Homogenität geboten hatte.

Von Johannes Mundry

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