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Vielseitig komisch: Ehrung für Schriftsteller Gerhard Henschel

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Schriftsteller Gerhard Henschel
Nächster Preisträger des Kasseler Literaturpreises: Gerhard Henschel © Gerhard Kromschröder

Der Kasseler Literaturpreis 2023 für grotesken Humor geht an den Autor Gerhard Henschel.

Kassel – Der Schriftsteller Gerhard Henschel erhält den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor 2023. Die von der Stiftung Brückner-Kühner und der Stadt Kassel vergebene und mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt den 60-Jährigen „für sein hervorragendes und breites Werk auf dem Feld der literarischen Hochkomik“.

Die Preisverleihung wird am 6. Mai im Rathaus stattfinden. Sie bildet den Auftakt des Kasseler Komik-Kolloquiums, eines einwöchigen Festivals zur Literatur und Wissenschaft des Komischen. Die Laudatio hält der Leiter des Literaturhauses Hamburg, Rainer Moritz.

Gerhard Henschel veröffentlicht seit 30 Jahren Romane, Erzählungen, aber auch Essays, Wandertagebücher, Sachbücher – etwa über Antisemitismus – bis hin zur Regionalkrimiparodie und einer Sammlung von Zungenbrechern. Die Bandbreite seiner Arbeiten hebt auch der Stiftungsrat als Jury hervor. Souverän bewege sich Henschel zwischen den Gattungen und Stilen, heißt es in der Begründung.

Er folge als einer der vielseitigsten und produktivsten deutschsprachigen Autoren auf dem Feld der literarischen Hochkomik nur einer einzigen Grundregel: „Leserin und Leser niemals zu langweilen, vielmehr stets einen komischen Mehrwert zu erzeugen.“ Mehrere Bücher verfasste Henschel mit Autoren im Umfeld der Neuen Frankfurter Schule, auch die Illustratoren seiner Bücher stehen in dieser Tradition.

Als sein im Humor gründendes Hauptwerk bezeichnet die Jury die autofiktionale Martin-Schlosser-Serie. Mit den Romanen habe Henschel eine alltags- und mentalitätsgeschichtliche Chronik der Bundesrepublik seit den 1960ern vorgelegt, die inzwischen „neun ziegeldicke Bände umfasst und auf die Gegenwart hin fortgeschrieben wird“.

Unter dem Titel „Märchenwege“ veröffentlichte Henschel 2019 ein Buch über seine Wanderung vom Vogelsberg bis nach Kassel, die er mit dem Fotografen Gerhard Kromschröder auf den Spuren der Brüder Grimm unternommen hatte.

2002 löste eine Satire Henschels in der „tageszeitung“ einen Rechtsstreit aus, als der Autor als Reaktion auf die Berichterstattung der „Bild“-Zeitung über Prominente angebliche Gerüchte über eine missglückte Penisverlängerungsoperation des Herausgebers Kai Diekmann zum Thema machte.

Der Kasseler Literaturpreis, gestiftet vom Schriftstellerpaar Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner, zeichnet seit seit 1985 jährlich Autoren und Autorinnen aus, deren Werk auf hohem künstlerischen Niveau von Humor, Komik und Groteske geprägt ist. Zuletzt erhielten ihn Sibylle Berg, Heinz Strunk, Felicitas Hoppe und Helge Schneider. Wer 2023 den auf Vorschlag von Verlagen vergebenen Förderpreis komische Literatur erhält, soll Anfang des nächsten Jahres bekannt gegeben werden.

Zur Person

Gerhard Henschel, 1962 in Hannover geboren, studierte Germanistik, Soziologie und Philosophie in Bielefeld, Berlin und Köln. Er lebt als freier Schriftsteller in Bad Bevensen. Seine Texte hat er in zahlreichen Tages- und Wochenzeitungen veröffentlicht. Von 1993 bis 1995 gehörte er der „Titanic“-Redaktion an. Seit 2004 hat er neben kulturhistorischen Sachbüchern, Satiren, Polemiken und Grotesken neun Martin-Schlosser-Romane geschrieben, zuletzt „Erfolgsroman“ (2018) und „Schauerroman“ (2021). 2021 erschien auch mit „Soko Fußballfieber“ Henschels zweiter „Überregional-Krimi“.

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