1. Startseite
  2. Kultur

Geschenk zum 300. Tischbein-Geburtstag im Schloss Wilhelmshöhe

Erstellt:

Von: Mark-Christian von Busse

Kommentare

Eines der restaurierten Deckengemälde von Johann Heinrich Tischbein: Nicola Mütterthies (Bürgerstiftung, von links), Susanne von Baumbach (Museumsverein), Volontärin Malena Rotter und MHK-Sprecherin Lena Pralle.
Eines der restaurierten Deckengemälde von Johann Heinrich Tischbein: Nicola Mütterthies (Bürgerstiftung, von links), Susanne von Baumbach (Museumsverein), Volontärin Malena Rotter und MHK-Sprecherin Lena Pralle. © Dieter Schachtschneider

Beim Schlossbrand 1811 gerettet: Deckengemälde sind nach 200 Jahren wieder zu sehen- ein Gruß zur neuen Tischbein-Ausstellung, die Ende Oktober eröfffnet wird.

Kassel – 200 Jahre war dieses Deckengemälde von Johann Heinrich Tischbein nicht zu sehen: „Minerva und die Wissenschaften“ hing in der Galerie im alten Kasseler Residenzschloss, das 1811 abbrannte. Damals konnte das Bild gerettet werden, geriet aber später in Vergessenheit.

Jetzt ist es, frisch restauriert, ins Museum Schloss Wilhelmshöhe eingezogen, wo aus Anlass des 300. Geburtstags des einstigen Kasseler Hofmalers am 28. Oktober die große Sonderausstellung „Der Maler als Zeichner – der Zeichner als Maler“ öffnet.

Möglich gemacht hat die Restaurierung der „Minerva“ und des weiteren Tischbein-Deckengemäldes „Apoll und die Künste“ die Finanzierung durch den Museumsverein.

55 000 Euro werden dafür aufgewendet, die beiden „außergewöhnlich tollen Gemälde“ für das Publikum zugänglich zu machen, wie Susanne von Baumbach, Vorsitzende des Museumsvereins, berichtet: Jeweils 20 000 Euro für die Restaurierung der beiden Gemälde und 15 000 Euro für die Ausstellung. „Der Tischbein-Geburtstag ist uns das wert“, sagt von Baumbach.

4800 Euro davon stammen aus Erträgen der Sonja und Dr. Rolf Kahn-Stiftung unter dem Dach der Kasseler Bürgerstiftung für die Stadt und den Landkreis Kassel, wie Nicola Mütterthies für die Stiftung erläutert.

Die Bilder waren in einem desolaten Zustand – beschädigt, mit einer Wachsschicht und Japanpapier überzogen, aufgerollt, lagerten sie auf einem Dachboden im Schloss Weilburg an der Lahn. Dorthin waren sie aus dem Jagdschloss Wabern gelangt. Dass die Gemälde eigentlich nach Kassel gehören, war nicht mehr bekannt, bis sie im Zuge der Zusammenlegung von Museen, Schlössern und historischen Parkanlagen zur Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) wieder Beachtung fanden. „Ohne die riesengroße Unterstützung des Museumsvereins wäre die Restaurierung nicht möglich gewesen“, sagt MHK-Sprecherin Lena Pralle: „Wir sind sehr dankbar dafür.“

In Tischbeins Schaffen seien die Deckengemälde eine Rarität, erläutert Malena Rotter, die als Volontärin in der Gemäldegalerie intensiv in die Vorbereitung der Ausstellung involviert ist: „Sie sind ein großer Gewinn für unsere Jubiläumspräsentation.“ Geschickt glorifiziere Tischbein in den allegorischen Darstellungen von Astronomie, Kartografie und Festungsbau die Relevanz des Landgrafen Friedrich II. für Wissenschaft und Kunst. Die Konturen des Wallgrabens der Festung Ziegenhain sind klar zu erkennen. Das Profil der Minerva zeige womöglich Züge einer seiner Töchter, die Tischbein oft Modell gesessen hätten.

Weil die Restaurierung aller drei Deckengemälde – Minerva, Apoll und ein weiteres, das immer in Kassel aufbewahrt wurde – erst nach Eröffnung der Tischbein-Schau abgeschlossen sein wird, wird ihre Präsentation in einer ergänzenden Kabinettausstellung nach und nach vervollständigt.

Die Ausstellung zu 300 Jahren Johann Heinrich Tischbein läuft vom 28.10. bis 5.2. im Museum Schloss Wilhelmshöhe.

Auch interessant

Kommentare