Erstmals wird die bundesweite Woche der Brüderlichkeit in Kassel eröffnet

Geschichte nahe bringen

Erhält die Buber-Rosenzweig-Medaille: Autorin Mirjam Pressler. Foto: dpa

Kassel. Zum ersten Mal in der mehr als 60-jährigen Geschichte der Woche der Brüderlichkeit findet in diesem Jahr die zentrale Eröffnungsfeier in Kassel statt. Seit 1952 dient die jeweils im März stattfindende Woche der Brüderlichkeit der Verständigung zwischen Juden und Christen und der Aufarbeitung des Holocausts. Veranstaltet wird sie vom Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Schirmherr ist Bundespräsident Joachim Gauck.

Dass in diesem Jahr Kassel die zentrale Eröffnungsfeier ausrichtet, ist kein Zufall. Die 1100-Jahr-Feier der Stadt ist ein willkommener Anlass, um auf die gemeinsame Geschichte von Juden und Christen in Kassel zu verweisen, sagt Eva Schulz-Jander, die Vorsitzende der Kasseler Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und katholische Präsidentin des Koordinierungsrates. Das Motto der Woche der Brüderlichkeit lautet in diesem Jahr „Sachor (Gedenke): Der Zukunft ein Gedächtnis“.

Im Mittelpunkt der zentralen Eröffnungsfeier am 3. März im Kasseler Staatstheater im Beisein des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier steht - wie in jedem Jahr - die Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille. Sie geht in diesem Jahr an die Kinderbuchautorin Mirjam Pressler. Sie habe es verstanden, jüdisches Leben in der Zeit des Nationalsozialismus und danach den nachwachsenden Generationen erzählerisch nahe zu bringen, heißt es zur Begründung.

Ebenfalls ausgezeichnet wird das Fritz-Bauer-Institut mit Sitz in Frankfurt, das als Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocausts wesentlich zu einem kritischen Geschichtsbewusstsein in Deutschland beigetragen habe.

Die Buber-Rosenzweig-Medaille wird seit 1986 in Erinnerung an die jüdischen Philosophen Martin Buber und Franz Rosenzweig an Personen oder Institutionen verliehen, die sich um die Verständigung zwischen Christen und Juden verdient gemacht haben. Die Verleihung der Medaille in Kassel ist auch deshalb von besonderer Bedeutung, weil Kassel der Geburtsort Franz Rosenzweigs (1886-1929) ist.

Die Woche der Brüderlichkeit beginnt in Kassel schon vor der offiziellen Eröffnung. Am 1. März wird in der Schaustelle des Stadtmuseums die Ausstellung „,Ich bleibe also Jude‘ - Franz Rosenzweig und Kassel“ eröffnet, gefolgt von einem Schabbatgottesdienst in der Kasseler Synagoge. Am 2. März folgen Rundgänge durch die Stadt, unter anderem zum Thema „Auf den Spuren der Verfolgung der Juden in Kassel“, ein Vortrag von Prof. Raphael Gross vom Fritz-Bauer-Institut sowie eine Christlich-Jüdische Gemeinschaftsfeier im Ständehaus mit dem katholischen Weihbischof Karlheinz Diez, dem evangelischen Bischof Martin Hein und Landesrabbiner Henry G. Brandt.

Anmeldung

Für die Teilnahme an der zentralen Eröffnungsfeier der Woche der Brüderlichkeit ist eine Anmeldung beim Koordinierungsrat bis zum 11. Februar erforderlich, telefonisch unter 06032 / 9111-0 oder per Mail an info@deutscher-koordinierungsrat.de

Von Werner Fritsch

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