Jugendclub 16+des Staatstheaters zeigte „Alice im Wunderland“ als turbulente Jagd in der Fantasiewelt

Gesellschaftskritik plus Hase

Spielfreude und Lust am Absurden: Szene aus „Alice im Wunderland“ mit vorn: Lea Sambale, hinten von links: Raffael Krepel, Andrina Janicke und Luis Krummenacher. Foto: Ketz

Kassel. Klar, der sprechende Hase, immer in Eile und mit paranoider Verspätungsangst über die Bühne hastend, erregt die Neugier der aufgeweckten Alice, die ihm in seinen Bau folgt. Doch dort muss sie erst mal durch die sprechende, kauzig-komische Tür hindurch. Das geht nur mit einem Schrumpfpilz beziehungsweise Muffin, bevor sie in die Welt mit den bekannten Figuren schlüpfen kann.

Es ist schon eine Herausforderung, die Fantasiewelt von Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ auf der Bühne darzustellen. Unter der Regie des Schauspielers Christian Sprecher (Bühne: Ursula Kriegel, Kostüme: Cornelia Schmidt) nahm sich der Jugendclub 16+ des Staatstheaters hierfür die Bühnenfassung von Heinrich Waegner vor.

Mit großer Hingabe zeichnen Hannah Gabor, Katrin Flüs, Dayala Lang, Andrina Janicke, Annika Port, Lea Sambale, Anna Marie Hermsdorf, Leon Hardt, Luis Krummenacher, Dario Renner, Thorben Röder und Raffael Krepel eine Fantasiewelt, in der es manchmal genauso absurd-komisch wie grausam zugeht.

Da stolpert Alice, die von sechs Spielerinnen abwechselnd verkörpert wird, in einen Tanz großer Vögel, die in einer sehr witzigen Choreografie den nassen Boden schrubben. Da wird sie bei der Herzogin in ein wildes Ankleidegefecht verwickelt, da philosophiert sie mit der rauchenden Raupe.

Der Hase, die ulkige Grinse-Katze, sowie die stets müde, aber schlaue Maus kreuzen immer mal wieder ihren Weg. Alle Spieler schlüpfen gekonnt in mehrere Rollen und bieten dem Publikum rasante, vor Spiellust überschäumende Szenen, etwa das Karten- und Wortduell zwischen „Herz 5“ und „Herz 10“ oder die chaotische Teetisch-Szene, mit dem aberwitzigen Hutmacher und dem Schnapphasen. Alice enttarnt starre oder ungerechte Gesellschaftsformen und Lebensentwürfe, die sich nicht nur in der Fantasiewelt finden. Es gab langen Applaus für die beachtliche Leistung des jungen Ensembles.

Von Alexander Pluquett

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.