Die Tanzwerkstatt überzeugte im Dock 4 mit „Status quo“

Gestern ist Heute

Szenen zum Zustand der Gesellschaft: Blick in den Tanzabend „Status quo“ im Dock 4. Foto: Hedler

Kassel. Zehn Mädchen lesen sich Horoskope vor, tanzen zur melancholischen Ballade „Morgen“ von Chima, beginnen zu rennen, laufen wie in Zeitlupe, verschwinden. Neun andere Mädchen kommen mit Silbermasken auf die Bühne, zeigen mit mechanischen Bewegungen die Sprachlosigkeit der Gesellschaft, die Angst vor Kommunikation. Am Samstag präsentierten Schülerinnen im Alter von 14 bis 74 Jahren der Tanzwerkstatt Kassel im Dock 4 die Produktion „Status quo“. Die insgesamt zehn Tanzszenen aus den Bereichen Jazz, Contemporary, Tapdance und Ballett beschäftigen sich mit dem Ist-Zustand unserer Zeit.

Der Charme der Tanzwerkstatt liegt darin, dass sowohl Ältere als auch Jüngere, Dünne und Mollige gemeinsam auf die Bühne kommen. Leidenschaft ist das Prinzip. Wie ein Puzzle fügen sich die einzelnen Choreografien zusammen, erzählen von den Facetten des Lebens. Einige Tänzerinnen haben fließende Kleider an, scheinen zur Musik von Coldplay zu fliegen. Andere tragen futuristische Ganzkörperanzüge, agieren nach Jazz-Rhythmen vor der Projektion eines irrealen Raums auf der Bühnenwand. Eine weitere Gruppe schaut permanent auf die Uhr, getaktet, nervös, kantig. Frauen in afrikanischen und europäischen Kostümen stehen sich gegenüber, barfuß, demonstrieren tanzend Gegensätze.

Drei Mädchen tippeln wie eingefroren als „Living Dolls“ in wunderbaren, Harlekin- ähnlichen Ballettkostümen mit Röcken aus leuchtend blauen Schaumstoffstreifen aus dem Baumarkt. Höhepunkt des Abends ist eine Funky-Jazz-Formation, die frech und mit enormem Schwung vorführt, wie verschiedene Elemente des Tanzens neu arrangiert werden können. Zum Schluss bringen die ältesten Damen mit Stirnbändern und in Charleston-Kleidern mit vielen Fransen einen tollen Swing auf die Bühne. Denn das Gestern ist Heute. Swing ist angesagt. Großer Jubel, viel Applaus für die großartigen Tänze.

Von Gesa Esterer

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