Prince hält das Internet für veraltet und veröffentlicht seine neue CD im „Rolling Stone“

Prince veröffentlicht seine neue CD im „Rolling Stone“

Ein Star in Rosa: „20Ten“, das neue Album von Prince, gibt es ausschließlich im „Rolling Stone“-Magazin.

Beinahe hätten wir die Meldung verpasst, weil wir ständig im Internet surfen und bei Facebook chatten. Aber dann lasen wir doch noch die Nachricht, in der der Popmusiker Prince mit den Worten zitiert wird: „Das Internet ist komplett passé.“

Der Amerikaner muss es wissen. Er kündigte schon die digitale Revolution an, als die meisten Menschen noch Schreibmaschinen benutzten. „Wenn das Internet irgendwann richtig funktioniert, ist die Musikindustrie geliefert“, prophezeite er 1995. Nun versucht Prince seine ziemlich steile These vom Niedergang des Internets selbst zu belegen: Sein (je nach Zählweise) 27. bis 29. Album seit 1978 kann man nicht im CD-Laden kaufen und auch nicht in Online-Geschäften wie iTunes herunterladen, sondern ausschließlich am Zeitungskiosk bekommen. Der Superstar hat „20Ten“ in Deutschland der August-Ausgabe des Musikmagazins „Rolling Stone“ beilegen lassen. In anderen Ländern vertreiben Magazine wie „Courier International“ (Frankreich) und Zeitungen wie der „Daily Mirror“ (England) die CD in der dünnen Papphülle.

Es gibt kein Booklet mit Fotos, Texten und Danksagungen, sondern nur neun neue Songs plus einen unbetitelten Bonustrack. Das Ganze klingt wie eine Revolution, ist aber nur der neueste Trick eines Superstars, der in den 80ern mit Hits wie „Purple Rain“ als der große Gegenspieler von Michael Jackson galt, dann aber vor allem mit rebellischen Aktionen gegen die Musikindustrie von sich reden machte.

Aus Protest gegen seine Plattenfirma Warner nannte sich der nur 1,60 Meter große Multiinstrumentalist zeitweise „Symbol“ und „The Artist Formerly Known As Prince“ (TAFKAP). Schon „Planet Earth“ ließ er 2007 in England gratis einer Zeitung beilegen. Das Dreifach-Album „Lotusflow3r“ gab es im vergangenen Jahr ausschließlich bei einer US-Supermarktkette oder Online.

Das mag ein Weg für Prince sein, aber niemals für unbekannte Bands, die darauf hoffen, im Netz entdeckt zu werden. Trotzdem hält der Musiker, der nicht mal eine Webseite betreibt, das Internet für komplett überflüssig. „Ich lerne nichts, wenn ich vor flachen Bildschirmen sitze - ich lerne nur von echten Menschen“, sagt Prince. Unsere Zukunft ist also die Vergangenheit.

Auch musikalisch schaut der 52-Jährige zurück. „20Ten“ bietet Elektrofunk, wie ihn der Mann aus Minneapolis schon in den 80ern gemacht hat. Die Gitarren fauchen zu analogen Synthesizern und knackigen Bläsern, und der Drumcomputer klingt ebenfalls alt. Höhepunkt ist die Crooner-Ballade „Future Soul Song“, allerdings gibt es auch viel Durchschnitt. Vielleicht ist es bezeichnend, dass Prince bei seinem einzigen und von 17 000 Fans gefeierten Deutschland-Konzert vor zwei Wochen in der Berliner Waldbühne keinen einzigen Song von „20Ten“ spielte. So steht es jedenfalls im Internet.

Prince: 20Ten; der August-Ausgabe des deutschen „Rolling Stone“ beigelegt (6,99 Euro). Wertung: !!!::

Von Matthias Lohr

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