Viel Applaus für Tanztheater zum Thema Demenz unter Leitung von Pamela Hering

Das Gestern verblasst

Engagierte Mitwirkende: Szene aus dem Tanzprojekt „Yesterday“ in der Halle 2 am Grünen Weg. Foto:  Zgoll

Kassel. Das Kostbarste, was der Mensch besitzt, ist seine Erinnerung. Doch was passiert, wenn wir diesen Schatz verlieren? Wie fühlt es sich an, wenn wir wissen, dass wir uns bald nicht mehr an unser vorheriges Leben erinnern können?

In einem beispiellosen Projekt haben sich 18 Menschen unterschiedlichen Alters mit dem Thema Demenz auseinandergesetzt. Unter der choreografischen Leitung von Pamela Hering haben sie das Tanzstück „Yesterday“ auf die Bühne gebracht, welches das schwere Schicksal des Vergessens mutig inszeniert. Dazu gehören Betroffene, Angehörige, Menschen, die beruflich mit dem Thema stark verbunden und Menschen, die noch völlig unberührt davon sind.

Bei der Premiere am Wochenende in der Halle 2 beeindruckten alle Darsteller mit einem Stück, welches von dem Umgang mit Erinnerungen, Träumen und dem Verlust von Individualität berichtet.

Initiiert wurde das Stück vom Diakonischen Werk Kassel und gefördert von der Robert Bosch Stiftung.

„Yesterday“ in Fetzen

Die Jukebox ist angefüllt mit Erinnerungen. Auf Knopfdruck werden verschiedene Momente abgerufen, glückliche und traurige, ein ganzes Leben. Dazwischen ertönt immer wieder „Yesterday“. Abrupt abgebrochen, sodass das „Gestern“ sich nur noch bruchstückhaft zusammensetzt. Was bedeutet die Krankheit für die Betroffenen? Was bedeutet sie für Angehörige? Für die Gesellschaft? Die Choreografie erzählt von der ersten zarten Liebe, der gemeinsamen Vertrautheit, den Ängsten, wenn man sich nicht mehr orientieren kann, und dem Koffer voller unerfüllter Träume.

Behutsam, aber konsequent entwickeln die Darsteller ein Bild dessen, was Demenz bedeutet. Sie beleuchten ihre eigene Position, hinterfragen die Situation der anderen und entfalten so ein einheitliches Bild der Krankheit. Tief bewegt und beeindruckt spendete das Publikum anhaltenden Applaus.

Von Kirsten Ammermüller

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