Das britische Duo Hurts stürmt mit wehmütigem Elektropop die Charts

Alles ist eine Einheit: Theo Hutchcraft (links) und Adam Anderson von Hurts. Foto: Fourmusic

Uns ist sehr wichtig, dass alles rund um die Band schlüssig ist, dass alles eine Einheit ergibt“, sagt Theo Hutchcraft, der Sänger des Elektropop-Duos Hurts. Man muss sich Theo (24) und seinen Kompagnon Adam Anderson (26) nur anschauen, und man weiß, was er meint.

Beide tragen weiße, enganliegende Hemden und enge dunkle Anzüge, Theo schwarz, Adam blau. Beide haben das Haar konservativ-streng gescheitelt. „An der Ästhetik arbeiten wir so hart und intensiv wie an unserer Musik“, erklärt Hutchcraft. Schlicht und simpel, aber auch glamourös und groß - das ist der Anspruch der Songs, des Aussehens, der Bühnenshow und der Videos. Wie beim schwarz-weißen Clip zur Debütsingle „Wonderful Life“.

Sie hat aus dem Nichts den zweiten Platz der deutschen Singlecharts erreicht. Das ist extrem ungewöhnlich für eine neue Band, andererseits existiert seit einem Jahr ein Hype im Netz um das Duo aus Manchester, das sich vor vier Jahren als unbeteiligte Randfiguren einer Kneipenschlägerei kennenlernte. Nimmt man das exaltierte Äußere und den für 2010 sehr speziellen Musikstil dazu, ist es kein Riesenwunder, dass die Jungs durch die Decke schießen.

Adam, der den Großteil der Musik schreibt, drückt es so aus: „Am Anfang hatten wir null Geld. Wir wussten, dass wir anders sein mussten, um eine Chance zu haben.“ Ein Versuch mit der eher konventionellen Britrockband Daggers scheiterte, dann beschlossen sie, „alles zu riskieren und keinerlei Angst mehr vor extrem emotionalen Songs zu haben.“ Die Lieder des ersten Albums „Happiness“ sind tatsächlich nicht jedermanns Sache. „Die Leute lieben uns oder sie verabscheuen uns“, sagt Theo. „Aber wir wissen, dass viele Menschen unsere Musik wirklich dringend benötigen. Denn so etwas wie wir hat bislang gefehlt.“

Stilistisch sind die Lieder kühl gehalten, durch und durch getränkt von Melancholie. Hurts orientieren sich am perfekten Synthipop der 80er, an Gruppen wie Soft Cell, Tears For Fears, Heaven 17 und den frühen Pet Shop Boys. Die Melodien sind traurig, ergreifend und mitreißend, die Texte gleiten ins Melodramatische ab. „Wonderful Life“ etwa mit dem Refrain „Don’t let go / Never give up / It’s such a wonderful Life“ handelt von einem Selbstmordkandidaten, den ein Mädchen davor bewahrt, sich in den Fluss zu stürzen.

„In England“, beklagt sich Theo, „halten uns die Leute für Heulsusen und Trübsalblaser, dabei ist das Gegenteil der Fall. Unsere Lieder stecken voller Hoffnung und Kraft, wir selbst sind voller Lebensfreude. Die Boschaft ist absolut euphorisch.“

Hurts: Happiness (Fourmusic). Wertung: !!!!:

Von Steffen Rüth

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