Liedermacher Gisbert zu Knyphausen hat mit seiner Band einen tollen Auftritt im Schlachthof

Es gibt immer noch ein Morgen

Kassel. Das Phänomen Gisbert zu Knyphausen ist nicht einfach zu verstehen. Jedes halbwegs ernst zu nehmende Musikmagazin oder Feuilleton lobt den Wahlhamburger in den Himmel. An diesem Mann muss was dran sein. Man fühlte sich am Dienstagabend an eine Vergangenheit erinnert, die noch gar nicht vergangen ist und sich Hamburger Schule nennt. Einige Trainingsjackenträger, die bereits das erste Tocotronic-Konzert gesehen haben, trauten sich in den Schlachthof und mischten sich unter Besucher, die vor 20 Jahren noch nicht laufen konnten.

Warum sich junge wie ältere Zuhörer für Knyphausen und seine vierköpfigen Band begeistern lassen, ist, dass er sich von einer Melancholie treiben lässt, die doch die positiven Aspekte des Lebens in den Vordergrund rückt. Nach vorne schauen heißt das Motto, ohne zu vergessen, was gestern war. Das Leben ist endlich und schwierig, aber deswegen ist es wichtig, dass es ein Morgen gibt und die Dinge nur besser werden können. „Es geht mir sehr, sehr gut, wo auch immer wir fahren. Mit jedem Meter bringt uns weiter weg, und bringt uns näher dran an die Dinge, die wir nie begreifen werden…“ aus „Es ist still auf dem Rastplatz“ umschreibt dieses Lebensgefühl: In jedem Schlechten steckt auch etwas Gutes, es gibt immer eine Lösung.

Auch die Band weist vom Jüngsten bis zum Ältesten sicher einen Altersunterschied von 25 Jahren auf, aber es gibt eine gemeinsame Basis. Dass Element of Crime gecovert wird, mag manchem merkwürdig vorkommen, dass in Moll-Tönen gespielte Balladen an Kettcar erinnern, ebenfalls.

Aber Knyphausen eröffnet Perspektiven, verbreitet simple Weisheiten: Das Leben ist eben doch nicht so schwer, wie es viele empfinden. Seine Texte und seine sympathische Ausstrahlung machen seine Musik besonders und liebenswert. Sie lässt die Leute strahlen, mitsingen, tanzen, aber auch mal innehalten.

Von Henning Beste

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