Einfach rührend: Wieso drei alte Lieder die ersten Hits des neuen Pop-Jahrs sind

Es gibt nichts Neues mehr

Platz 1: Patrick Swayze und Jennifer Grey tanzten 1987 in „Dirty Dancing“ zu „(I’ve Had) The Time Of My Life“. Aus dem Lied haben die Black Eyed Peas einen neuen Hit gemacht. Fotos: dpa / emi / Universal

Ein bisschen geht es uns in diesen Tagen wie Bill Murray in „Und täglich grüßt das Murmeltier“. In der Komödie aus dem Jahr 1993 spielt er einen egozentrischen TV-Wetteransager, der in einer Zeitschleife feststeckt und jeden Morgen von „I Got You, Babe“ von Sonny und Cher aus dem Radiowecker begrüßt wird. Es ist immer derselbe Tag.

Wir haben nun Januar 2011, aber in den deutschen Single-Charts sieht es aus wie immer: Auf den ersten drei Plätzen rangieren Songs, die zwei, siebzehn und dreiundzwanzig Jahre alt sind. Die Erfolge des aktuellen Spitzenreiters, der US-Band Black Eyed Peas („The Time“), des Hawaiianers Israel Kamakawiwo’ole („Over The Rainbow“) und des australischen Pop-Duos Empire Of The Sun („We Are The People“) sind ungewöhnlich für die schnelllebige Branche. Wir haben uns die Hits noch einmal angehört.

Die Cover-Version: Ein bisschen überraschend ist es schon, dass die Black Eyed Peas ausgerechnet mit „The Time (Dirty Bit)“ einen Nummer-Eins-Hit gelandet haben. Patrick Swayze und Jennifer Grey tanzten 1987 im Kino-Hit „Dirty Dancing“ zu „(I’ve Had) The Time Of My Life“. Im Jahr darauf gab es für das von Bill Medley und Jennifer Warnes gesungene Lied einen Oscar. Später wurde es etwa von Barbara Schöneberger und Dirk Bach gecovert. Die Black Eyed Peas haben den Song nun mit etwas billigen Elektro-Klängen unterlegt. Egal, hier geht es um Party. Der Erfolg des Quartetts um Sänger Will.i.am zeigt, dass Pop vor allem Reproduktion bedeutet. Es gibt keine Revolutionen mehr, also wird aus etwas Altem etwas Neues gemacht.

Der posthume Hit: Israel Kamakawiwo’ole musste 13 Jahre tot sein, ehe er ein internationaler Star wurde. Als der 350 Kilo schwere Musiker 1987 mit 38 Jahren starb, huldigten ihm seine Landsleute auf Hawaii mit einer bewegenden Meereszeremonie. Das ist im Video zu seiner Ukulele-Version des Jazzklassikers „Over The Rainbow“ zu sehen. IZ, wie Kamakawiwo’ole genannt wurde, beweist, dass gute Musik zeitlos ist.

Der Song aus der Werbung: Wahrscheinlich hätte dieser Vodafone-Spot jedes Lied zum Hit gemacht. In dem 45-sekündigen Film sucht ein Mann seine Jugendliebe, in dem er ein Bild von ihr per Handy auf die Reise schickt. Im Clip wird das Bild zur globalen Ikone, und am Ende trifft sich das Paar natürlich. Angeblich hat Vodafone für seine aktuelle Kampagne 1000 Songs getestet, ehe die lässige Elektro-Pop-Hymne „We Are The People“ des australischen Duos Empire Of The Sun ausgewählt wurde. Der Song stammt vom Album „Walking On A Dream“, das 2008 hier zu Lande vor allem Kritiker begeisterte. Erst durch den TV-Clip wurde das Lied zwei Jahre später zum Hit. Mit Werbung verkauft sich nicht unbedingt das Produkt, aber die Musik.

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