Soulsängerin Cassandra Steen im Interview über ihr neues Album, Männer und Barack Obama

„Es gibt zu wenig gute Frauen“

Deutschlands bekannte Soulstimme Cassandra Steen hat mit „Mir so nah“ ein neues Album aufgenommen, auf dem es weniger getragen zugeht als auf ihren früheren CDs.

Mit „Mir so nah“ entfernen Sie sich von den melancholischen Tönen Ihres letzten Albums. Wie würden Sie Ihren neuen Stil beschreiben?

Cassandra Steen: Innovativ und progressiv. Ich wollte schneller werden, aber nicht weniger tiefgründig.

Sie kehren Ihr Inneres nach außen. War es Zeit für einen Seelenstriptease?

Steen: Am wichtigsten ist, wie man vorgeht, wenn man an sich selbst Dinge entdeckt, die einem weniger gefallen.

Ist das eine Frage des Alters?

Steen: Das hoffe ich. Sonst hätte das Älterwerden keinen Sinn. Ich bin jetzt 31 und sehe vieles anders als vor zehn Jahren. Entweder man wird härter oder man wird feiner.

Das heißt, Sie hätten die neuen Songs früher gar nicht so singen können, weil sie nicht zu Ihnen gepasst hätten?

Steen: Ich hätte sie nicht so transportieren können, weil ich nicht so empfunden habe. Sehr wahrscheinlich hätte sich meine Stimme irgendwo am Text gerieben, sodass man gehört hätte, dass da etwas nicht passt. Ich habe das nie so wahrgenommen, aber ich höre immer wieder, dass ich mich früher traurig angehört hätte. Als wenn da schon eine Grundtraurigkeit in der Stimme verankert gewesen wäre.

Was war der Punkt, der Ihr Leben verändert hat?

Steen: Früher wollte ich um jeden Preis gefallen, heute genieße ich meine Freiheit.

Welcher Song auf dem Album gefällt Ihnen am besten?

Steen: Aktuell gefallen mir am besten „Ich lasse jetzt los“ und „Ich fühl es nicht“.

Gibt es einen Grund dafür?

Steen: Die Texte beschreiben, dass ein Mensch, von dem man dachte, dass man sich gegenseitig viel gibt, einem doch nichts zu sagen hat. Dazu das Instrumental „Ich fühl es nicht“. Dieses Stück geht nach vorn und ist trotzdem reduziert. Dass es international so mithalten kann, finde ich grandios. Sonst sind es Amis, Franzosen oder Engländer, die etwas Neues auf den Markt bringen. Jetzt sind es mal die Deutschen.

Sie sprechen von einer Enttäuschung. Ist eine Beziehung auseinandergegangen?

Steen: Es ist gar nicht erst zu einer Beziehung gekommen.

Sie arbeiten sehr viel mit Männern. Absicht oder Zufall?

Steen: Fakt ist, es gibt einfach zu wenig wirklich gute Frauen in meiner Branche.

Wer ist denn kritischer: die Männer oder die Frauen?

Steen: Die Männer. Das sind Perfektionisten. Manchmal muss ich ein bisschen deutlicher werden, bis sie kapieren, dass man auch mal etwas lassen kann. Meistens muss dann noch hier probiert und da verändert werden, bis man zu dem Schluss kommt, dass es schon vorher perfekt war.

Sie selbst sind nicht so detailversessen?

Steen: Ich bin sehr pingelig, was meine Musik betrifft. Aber wenn ich einen Song höre und finde, es passt alles, lasse ich ihn auch in Ruhe.

2009 hatten Sie sich positiv zum Machtwechsel in den USA und zu Barack Obama geäußert. Wie sehen Sie das als Halbamerikanerin heute?

Steen: Die größte Leistung für einen Politiker ist doch, den Menschen Hoffnung zu geben. Und das hat Obama geschafft. Was die Menschen mit dieser Hoffnung machen, ist eine andere Frage.

Sind solche Entwicklungen Inspirationsquelle für Songs?

Steen: Durchaus. In „Gebt alles“ spreche ich Politiker an. Schließlich beeinflusst uns ihr Handeln unmittelbar. Die Frage ist, was man davon zulässt. Das ist Geben und Nehmen, ich weiß nicht, ob die Gesellschaft sich dessen bewusst ist.

Cassandra Steen: Mir so nah (Urban/Universal),

Wertung: !!!::

Von Kirsten Gregor

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.